Sollten Sie sich für eine Safari im südlichen Tansania entscheiden, dann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Aufenthalt im Selous Game Reserve in Ihrem Tourenprogramm enhalten sein. Zurecht, denn dieses Gebiet bietet jedem Safaribegeisterten afrikanische Natur und Wildheit pur.
Die abwechslungsreichen Landschaftsformationen weisen eine vielfältige Vegetation und einen unglaublichen  Tierreichtum auf. Darüberhinaus gibt es einige Seen innerhalb des Selous, die vor allem in den Trockenmonaten zu den Hot Spots für alle Tiere werden, sowohl für die großen als auch für die kleinen.

Sicherlich wird auch Ihnen auffallen, daß das Verhalten der Tiere im Selous abweicht von den gewöhnlichen, nicht selten äußerst zutraulichen Verhaltensweisen, wie wir es von Wildtieren in den nördlichen Parks kennen.

Auch wenn das Wildschutzgebiet zu den größten von ganz Afrika (!) zählt, ist nur der nördliche Abschnitt des gesamten Reserves zugänglich für die reinen Fotografie- Touristen. Denn der größte Part des Selous wird von professionellen Jagd-Safari Firmen beansprucht. Dies ist vermutlich einer der Hauptgründe, warum sich die Wildtiere im Selous weitaus scheuer zeigen als in anderen Naturparks. Ich vermute darüberhinaus, daß aus der der langen Jagdtradition über mehrere Generationen in diesem Gebiet heraus, sich erst diese Scheu und Furcht der Tiere vor den Menschen entwickelt bzw. erhalten hat. Dieses eigentlich natürlichere Verhalten der Tiere gegenüber Menschen vermittelt uns ein Abbild der früheren und vergangenen Zeiten, und damit ein weitaus authentischeres Safarierlebnis, wie es ursprünglich in der afrikanischen Wildnis vor unserer Zeit existierte.

Dennoch sind alle Befürchtungen, daß Sie kaum oder gar keine Wildtierbeobachtungen in diesem Naturschutzgebiet machen können, vollkommen unberechtigt. Denn das Selous Game Reserve beheimatet eine unglaubliche Zahl an Paarhufern, Elefanten, Löwen, Leoparden, Flußpferden und beeindruckend großen Krokodilen. Hinzu kommen ca. 450 Vogelarten, die dieses Gebiet zum perfekten Ort für Vogelinteressierte macht. Zudem soll sich im Selous die größte Anzahl von Wildhunden in ganz Afrika aufhalten. Auf einer meiner letzten Safaris im September 2015 blieb uns diese Gelegenheit, ein Rudel Wildhunde zu sehen, leider verwehrt. Hingegen machten wir eine ganze andere Begegnung mit einem jungen weiblichen Leopard, die uns noch lange in Erinnerung bleiben sollte.

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Während einer unserer Pirschfahrten auf der Suche nach Wildtieren, huschte unverhofft etwas vor unserem Safarifahrzeug über die Straße. Wir näherten uns und stoppten schließlich an besagter Stelle, um herauszufinden, um welches Tier es sich handeln könnte. Für unseren erfahrenen Guide war es mit Bestimmtheit ein Leopard und so suchten wir den dichten Busch nach dem typisch gefleckten Leopardenmuster ab, als plötzlich zwei winzige Leoparden-Welpen direkt vor uns auf der Straße auftauchten. Anhand ihrer fast noch blauen Augen und ihrem tollpatschigen Bewegungen war uns klar, daß es sich um noch sehr, sehr junge Welpen handeln mußte. Unser Guide schätzte die beiden Sprößlinge nicht älter als zwei Wochen.

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Sie taumelten und stolperten auf der Straße entlang und riefen immer wieder nach ihrer Mutter. Vorschichtig schnüffelten sie den Boden nach dem Geruch ihrer Mutter ab und fanden schließlich ihre Spur, woraufhin sie sich direkt in den Busch begaben. Nun hatte sich auch die Leoparenmutter weiter aus dem Dickicht vorgewagt, sodaß wir sie nun gut zwischen den Büschen sehen konnten. Es war nicht zu übersehen, daß die Leopardin alles andere als erfreut über unsere Anwesenheit war, und so hielten wir eine entsprechende Distanz zum Geschehen.

Mit voller Ehrfurcht beobachteten wir die Leopardin und ihre Jungen, wie sie sich immer tiefer in den Busch zurückzogen und letztendlich ganz verschwanden. Noch immer konnten wir unser Glück kaum glauben und selbst unser erfahrener Guide war hoch erfreut, wenn nicht überaus glücklich über diese ganz besondere Begegnung im Selous Game Reserve.