Das Selous Game Reserve im Süden von Tansania hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Nicht nur aufgrund seines großartigen Tierreichtums mit riesigen Herden von Planzenfressern, stets auf Beute lauernden Raubtieren und einer unglaublich schönen und vielfältigen Vogelwelt, wie sie sich Ornithologen nur erträumen, sondern auch aufgrund der abwechslungsreichen Landschaft, die durch Grassavannen, Miombowäldern, Seen und malerischen Flüßen bestimmt wird.

Obwohl der größte Teil des riesigen Wildreservats in Jagdkonzessionen aufgeteilt ist und nur ein recht kleiner Teil für die reinen Fotographie-Safaris freigegeben ist, hat man noch immer das Gefühl sich in einem der wildesten Wildschutzgebiete des Landes aufzuhalten. Immer wieder kommen mir Beschwerden von Selous-Besuchern zu Gehör, daß die Tiere in diesem Gebiet so scheu seien und bei jeder Annäherung sofort das Weite suchen. Ein Grund für dieses Verhalten ist sicherlich die Tatsache, daß das Selous Reserve schon seit Jahrhunderten als Jagdrevier genutzt wird und die Wildtiere eine generelle und ständige Furcht vor Menschen entwickelt haben. Um ehrlich zu sein, finde ich diese Art von Tierverhalten gegenüber den Menschen weitaus echter beziehungsweise authentischer als andersherum.

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Und dennoch sind auch im Selous Game Reserve ganz eigenartige Tierbeobachtungen keine Seltenheit. So auch im Oktober 2015, als wir eine herrliche Begegnung an einem der kleineren Seen südlich des Mzizima Sees inmitten des Selous erleben durften. Als unser Safarifahrzeug sich dem kleinen See näherte, konnten wir zwei Giraffen ausmachen, die sich zum Trinken ans Wasser begaben. Die beiden Giraffen bewegten sich langsam vorwärts, um schließlich die für Giraffen so typische Trinkposition mit gespreizten Vorderbeinen einzunehmen, wobei sie immer wieder innehielten und uns wachsam beobachteten. Nach einiger Zeit zogen sich die beiden Giraffen wieder zurück und verschwanden aus unserem Blickfeld.

Das Seeufer war recht buschig und zugewachsen und wir konnten nicht alles einsehen, was sich sonst noch dort am Seeufer abspielte. Trotzdem konnten wir noch immer einige Bewegungen im Wasser wahrnehmen und beschloßen von der anderen Seite näher ans Seeufer heranzufahren. Nachdem wir gewendet hatten und uns nun auf der gegenüberliegenden Seite befanden, erblickten wir aus ca. 70m Entfernung eine Tierszene, die uns alle verblüffen sollte. Eine Herde von mindestens 10 Giraffen stand praktisch in der Mitte des Sees und genoß das erfrischende Naß um ihre Hufe.

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Es war ein wahres Naturschauspiel, wie diese eleganten Tiere mit ihren langen graziösen Beinen in Paradeform von der Mitte des Sees an das gegenüberliegende Seeufer schreiteten. Keine einzige Giraffe zeigte sich schreckhaft oder gar flüchtete ins naheliegende Dickicht während unserer gesamten Begegnung. Sie akzeptieren ganz und gar unsere Anwesenheit und boten uns eine Vorstellung, wie wir sie noch nie gesehen hatten.