Einer der Vorteile hier in Tansania sind die vielen staatlichen, christlichen und muslimischen Feiertage. Egal ob Neujahr, Weihnachten, Ostern, Islamisches Opferfest, Islamisches  Neujahr, Tansanischer Unabhängigkeitstag, Sansibar-Revolutionstag oder Tansanischer Einheitstag, jede Gelegenheit nicht ins Büro zu gehen wird hier gerne wahrgenommen.

Dieses Jahr ergibt es sich, dass der an den ersten Präsidenten erinnernde „Nyere Day“ auf einen Donnerstag fällt und so nutzt meine Freundin Marina einen Brückentag für ein verlängertes Wochenende.

Zum Glück haben wir nun mit Nicole und Wilson tatkräftige Verstärkung im Office erhalten, und so habe auch ich Zeit für einen Kurztrip.

Nach einer ausgiebigen Prüfung des „Director Cars“ gibt es grünes Licht von Wilson unserem Fleet & Safari Manager – das Auto ist als safaritauglich befunden und sollte den weiten Strecken auf schlechten Pisten der nächsten Tage gewachsen sein.

Am Donnerstag soll es früh losgehen, aber natürlich ist noch „schnell“ dies und das zu erledigen und so starten wir pünktlich zur morgendlichen Rush Hour. Froh das alltägliche Verkehrschaos zu verlassen rollen wir Richtung Makuyuni und weiter nach Mto wa Mbu. Hier kaufen wir noch schnell eine Staude roter Bananen die uns als Wegzehrung dienen sollen.

Nächster Stopp ist das Park Gate zum Ngorongo Conservation Area. Hier hat man wie immer keine Eile und so dauert es eine gute halbe Stunde bis wir unsere Gebühren entrichten dürfen. Zum Glück stehen auch ein paar befreundete Safari Guides in der Warteschlange und bei etwas Small Talk vergeht die Zeit im Flug.

Weiter geht es zum Kraterrand des Ngorongoros und dem obligatorischen Stopp am Aussichtspunkt. Obwohl wir hier schon viele Male standen, ist die Aussicht immer wieder beeindruckend. Die Strasse Richtung Naabi Gate ist mal wieder waschbrettartig ausgefahren, aber zumindest wird emsig daran gearbeitet.

In der südlichen Serengeti ist im Oktober außer Landschaft meist nicht viel zu sehen, die Tiere stehen weiter nördlich. Doch kurz vor Seronera haben wir Glück: Ein Löwenmännchen hat es sich direkt an der Strasse bequem gemacht und hält eine Siesta.

Im Seronera Valley gibt es das ganze Jahr Wasser und so ist hier schon einiges mehr los. Obwohl wir aus Zeitgründen keine wirklichen Pirschfahrten unternehmen, sehen wir doch von der Hauptstrasse Gnus, Zebras, Elefanten und verschiedene Antilopen.

Unser heutiges Ziel ist das Mapito Camp und so verlassen wir die Serengeti am Ikoma Gate und haben schon wenig später den Abzweig zum Camp erreicht. 4km Bush Ride später winkt uns Reuben schon von weiten zur Begrüßung herzlich entgegen.

IMG_9268

Wie sich schnell herausstellt ist der österreichische Manager Hannes auf Heimaturlaub und Reuben tut sein bestes um ihn zu vertreten (was ihm auch voll und ganz gelingt).

Schnell haben wir eingecheckt und nach der langen Fahrt nun endlich Zeit für ein kühles Bier auf der Barterrasse. Während sich in der Nähe ein paar Impalas sehen lassen, unterhält uns Reuben mit allerlei amüsanten Geschichten aus dem Bush-Camp-Leben und wir revanchieren uns mit Neuigkeiten aus Arusha.

Gerne hätten wir noch eine kurze Walking Safari gemacht, aber Marinas Knie sind nach einem Motorrad Unfall vor wenigen Tagen noch zu geprellt.

Obwohl wir heute die einzigen Gäste sind, wartet am Abend ein reichhaltiges Buffet auf uns und satt und zufrieden kehren wir zurück in unser Hauszelt.

Am nächsten Morgen bin ich schon früh auf den Beinen um einige Campfotos im ersten Morgenlicht zu schießen. Um halb sieben steht dann auch frisch duftender „Early Morning Coffee“ in unserem Vorzelt – eine Tasse Kaffee in der aufgehenden Sonne im Bush ist und bleibt für mich einer der schönsten Momente auf jeder Safari.

Eine Stunde später haben wir geduscht, ein hervorragendes Frühstück genossen und das Auto beladen. Wir verabschieden uns herzlich von Reuben und machen uns wieder auf den Weg.

Keine 15km entfernt wollen wir heute das Fort Ikoma besuchen. Ursprünglich eine Festung der deutschen Kolonialtruppen, wurde es später zu einer wenig erfolgreichen Lodge umgewandelt, die später wieder aufgegeben wurde.

IMG_9283

Die Hauptgebäude wurden daraufhin dem Verfall überlassen, während in die darum gruppierten Bungalows die Büros und Familien der Parkverwaltung einzogen – ein durchaus amüsantes Bild.

Ungestört können wir durch die alten Gemäuer streifen, genießen den Weitblick auf die umliegende Baumsavanne und stellen uns vor wie das Leben der Soldaten hier vor hundert Jahren wohl ausgesehen hat.

Schon bald geht es weiter Richtung Lake Victoria. Wir haben die nördliche Strecke außerhalb der Serengeti gewählt und sind dann doch überrascht auf viele Topis und vor allem Gnus zu stoßen – jeder Reiseführer Autor würde sicherlich bei dem Anblick verzweifeln – denn sollten die Viecher laut „Migrations-Plan“ nicht zig Kilometer weiter nördlich stehen? Wir freuen uns jedenfalls über soviel Gesellschaft und kommen auf der guten Allwetterstrasse auch gut voran.

Südlich erstreckt sich nun das riesige Grumeti Game Reserve das schon seit Jahren an den Multi-Milliardär Paul Tudor konzessioniert ist. Der industrielle und Umweltschützer hat hier zusammen mit der südafrikanischen Singita Kette, drei der exklusivsten Lodges Ostafrikas errichtet hat. Verständlicherweise gibt es für Tagesbesucher keinen Zutritt und so lassen wir den reichen und Berühmten dieser Welt ihre Ruhe und erblicken nach ein paar Stunden Fahrt den Lake Victoria.

Kurz darauf ist die Speke Bay Lodge erreicht und auch hier ist der Empfang herzlich. Die neue Managerin Jaquline begrüßt uns und auch Melanie, die langjährige Managerin ist noch für ein paar Tage da. Am Nachmittag wird ein „Bird Walk“ angeboten, aber ich nutze die Zeit lieber um einen kurzen Kontrollblick auf den Serengeti Stopp Over Campsite zu werfen – soviel Pflichtgefühl muss sein. Da hier alles okay ist schaue ich mir noch einige Campingplätze am Seeufer an, komme aber schon bald desillusioniert zurück, Stopp Over bleibt der Campingplatz für unsere Campingsafaris.

Die Speke Bay Lodge ist ein herrlicher Ort um zu entspannen. In den Bäumen und am Strand lassen sich hunderte verschiedener Vögel beobachten und beim der Lektüre eines Buches schweift der Blick immer wieder auf den Victoria See – der Nachmittag vergeht im nu.

Täglich um halb sieben treffen sich die Manager und Besitzer der Lodge zum Feierabendbier und wir treffen nun auch Jan und Gert, die beiden Besitzer und sind schon bald in einem anregendem Gespräch über das optimale Safari-Programm von Tansania nach Kenia, Behördenirrsinn in Ostafrika und Mountainbiken zwischen wilden Tieren vertieft.

Später haben wir vorzüglichen Tilapia zum Abendessen und finden nach einem langen Tag schnell ins Bett.

Der nächste morgen beginnt mit einem privaten Frühstück mit Seeblick auf unserem Balkon – eine ebenso gute Idee wie der „Early Morning Coffee“ wie ich finde.

Die einzigen die die Morgenidylle durcheinander bringen sind ein paar freche Piepmätze, die wir aufgrund eines fehlenden Bestimmungsbuches kurzerhand in „Gemeiner Gelb-Schwänziger Marmeladen Dieb“ und „Niederer Breit Schnabel Zucker Klauer“ umbenennen.

Melanie hat einen Bootsausflug zu einem nahe gelegenem Fischerdorf organisiert und so besteigen wir mit einigen anderen Gästen am Strand zwei Ruderboote. Vom gleichförmigen Rhythmus der Ruderschläge begleitet gleiten wir über den See in der Morgensonne. Im seichten Ufergebiet stehen Männer mit ihren Netzen beim Fischen nach Katzenfisch (Catfish). Unser Guide James ist ausgesprochen kompetent und sympathisch und beantwortet selbst schwierige Fragen in exzellentem Englisch.

IMG_9413

Nach einer halben Stunde knirschen die Bootsrümpfe auf den Strand des Fischerdorfes. James führt unsere kleine Gruppe herum und erklärt die angelandeten Fänge der Fischer, um die nun dicke Mamas und die Aufkäufer der umliegenden Fischverarbeitungsfabriken aufgeregte Verkaufsverhandlungen führen.

Gegen Ende unserer Dorftour kommt dann merklich Unruhe in die Dorfgesellschaft. Von der Hauptstrasse sind fünf Pick-ups ins Dorf gekommen aus denen geschätzte vierzig in orangenen Vollkörperschutzanzügen gezwängte Personen mit geschulterten Pestizidspritzen abgestiegen sind.

Wie sich alsbald herausstellt sind sie Teil eines international geförderten Projekts zur Bekämpfung der Malaria in dieser Region und haben den Auftrag jedes Haus von innen mit ihren Chemikalien zu behandeln. Bedingung ist allerdings das die Räume ausgeräumt sind und nach der Behandlung einen Tag lang nicht betreten werden dürfen. Dumm nur, dass niemand die Bewohner im Vorhinein informiert hat und verständlich auch, dass sie wenig Lust verspüren, ihren ganzen Hausrat auf die staubige Dorfstrasse zu stellen um den Rest des Tages darauf aufzupassen.

Wir beobachten noch ein wenig die skurrilen Diskussionen zwischen den Fischerfamilien und den „orangenen Aliens“, bevor unsere Boote wieder abgestoßen werden und Kurs auf die Speke Bay Lodge nehmen.

Da wir heute noch weiter wollen verabschieden wir uns auch bald von Jaquline, Melanie, Gert und Jan und starten Richtung Mwanza.

Die Stadt am Lake Victoria hat sich in den letzten Jahren zur zweit wichtigsten Wirtschaftszentrum des Landes entwickelt. Hier werden große Mengen Nile Perch (Victoria Barsch) für den Export vorbereitet und direkt nach Europa geflogen. Daneben bringen aber auch die weiter südlich gelegenen Goldminen bei Shinyanga viel Geld in die Stadt.

IMG_9400

Nach dem Check Inn in einem der modernen Stadthotels unternehmen wir eine kurze Stadtbesichtigung und lassen den Tag bei gegrilltem Fisch und einigen Bieren auf der Aussichtsterrasse des Tilapia Hotels ausklingen.

Der Rückweg nach Arusha ist lang und da wir die Südroute über Shinyanga, Singida und Babati ausprobieren wollen, entscheiden wir uns die Strecke auf zwei Etappen aufzuteilen.

Die Strasse ist zu unserer Überraschung in sehr guten Zustand und bis Singida durchweg geteert. Wir übernachten in dieser verschlafenen Provinzstadt und bewältigen am nächsten Tag die restliche Strecke.

Auf den einzigen bisher ungeteerten Abschnitten zwischen Singida und Tarangire sind chinesische Strassenbaufirmen unter Hochdruck am arbeiten und in wenigen Monaten wird wohl die gesamte Strasse geteert sein. Warum die tansanische Regierung dennoch einen neuen Highway durch die Serengeti zum Lake Victoria plant, wird umso schwerer nachvollziehbar.

Mit diesen Gedanken im Kopf und vielen neuen Erfahrungen nähern wir langsam dem Mt Meru und wissen spätestens im sonntagnachmittäglichem Stop & Go Verkehr dass wir wieder in Arusha sind.