Leoparden (Panthera pardus) sind meine persönlichen Favouriten, wenn es um Raubkatzen geht. Ein idealer Ort, diese wunderschönen Geschöpfe zu sehen, ist die Serengeti. Wohl jeder Tansaniabesucher, der auf Safari geht, träumt davon, einmal einen Leoparden sehen zu können.
Das Glück einen Leoparden in der weiten Wildnis zu erblicken, erkläre ich meinen Gästen meist so: Wenn der Leopard entscheidet uns zu sehen, dann werden auch wir einen sehen!

Der Serengeti Nationalpark ist gesegnet mit einer gesunden Population von Leoparden. Bei einem Aufenthalt von mehreren Nächten in diesem so abwechslungsreichen Park hat man die besten Chancen, diese geheimnisvolle Katze einmal oder auch mehrmals zu erblicken.

Auf einer meiner letzten Safaris durch die Serengeti, wurde uns nicht nur das besondere Glück beschert, einen Leoparden zu sehen, sondern noch einiges mehr…

Wir befanden uns nahe der Masai Kopjes, als unser Guide uns informierte, dass er über Funk von einer Sichtung eines Leoparden erfahren hatte. So machten wir uns auf den Weg zu dem bestimmten Ort, wo sich bereits dutzende von Safarifahrzeugen mit demselben Ziel eingefunden hatten.

Es war nicht so einfach, den Leoparden zu sichten, aber schließlich konnten wir auf einem Granitfelsen einen eleganten männlichen Leoparden sehen, der seine Umgebung von seinem Ausguck genauestens beobachtete. Mit Hilfe des Fernglases konnte ich dann noch überraschenderweise einen zweiten Leoparden ausmachen.

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Überraschend deshalb, da Leoparden typische Einzelgänger sind. Sieht man mehrere, handelt es sich meist um eine Leopardenmutter mit ihren Jungen oder um ein paarungsbereites Leopardenpärchen. Als wir dort saßen und weiter die Szene beobachteten, stand die Leopardin auf einmal auf und bewegte sich auf das Männchen zu. Vorsichtig näherte sie sich diesem und umwarb ihn mit rollenden Bewegungen, worauf das Männchen nicht lange zögerte und die Leopardin bestieg. Die ganze Paarung dauerte, wenn überhaupt nur fünf Sekunden und die Leopardin zog sich sogleich zurück auf ihren Felsen.

Doch schon nach weniger als acht Minuten kehrte das Weibchen zurück, um sich erneut vor dem männlichen Leoparden zu drehen und ihren Körper hin und her zu winden, um wieder seine Aufmerksamkeit zu erlangen.

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Nach den sich mehrmals wiederholenden Paarungen, hörten wir auf einem Mal durchdringende Laute und selbst auf einigen hundert Meter Entfernung konnten wir das aggressive Fauchen des Männchens gegenüber dem Weibchen ausmachen. Nach Vollendung der Paarung begann nun das Weibchen energisch ihre Krallen nach dem Männchen auszuschlagen, woraufhin dieser mit ein paar ebenfalls heftigen Krallenschlägen antwortete. Es war recht furchteinflößend zu sehen, wie diese imposanten Raubkatzen sich gegenseitig attackierten, aber dies ist ein gewöhnliches und natürliches Verhalten während der Paarunsgzeit.

Dies war für mich selbst erst die zweite Gelegenheit, eine Paarungsszene zwischen zwei Leoparden zu beobachten. Das Vorspiel und die Paarung selbst sind eher eine Mischung aus Lust und aggressiven Verhalten. Nicht selten tragen die Weibchen Verletzungen nach der Paarung davon, die ihr männlicher Artgenossen ihr zugeführt hatte.

Die Leopardenweibchen sind meist nur fünf bis siebenTage paarungsreif. Nachdem das Weibchen ein Männchen zu Paarung gefunden hat, trennen sich beide Parteien auch sogleich wieder nach Vollendung der Paarung. Nach einer Tragezeit zwischen 90 – 100 Tagen wirft die Leopardin zwei bis vier Junge. Zum Zeitpunkt der Geburt sucht die Leopardin gewöhnlich einen sicheren Ort, wie eine Höhle, eine Felsspalte zwischen zwei Kopjes oder manchmal auch einen ausgehöhlten Baumstamm auf, der ihrem neugborenen Nachwuchs den adäquaten Schutz bietet. Die Jungen werden mit geschlossenen Augen geboren und öffnen diese nach ca. vier bis neun Tagen. Das Fell der Jungen ist noch um einiges länger und grauer und weist erst im Laufe der Zeit die typische Rosetten- Fellzeichnung auf. Nach drei Monaten sind die Jungen bereits groß und stark genug, ihrer Mutter auf ihren Streif- und Jagdzügen zu folgen. Auch wenn sie theoretisch nach dem ersten Jahr sich selbst versorgen können, tendieren die Jungen dazu noch bis zu 18 oder auch 24 Monate bei der Mutter zu bleiben. Danach löst sich die Bindung zwischen Muttertier und ihrem Nachwuchs auf und von nun bestreiten sie ihren eigenen Lebenslauf als Einzelgänger.