Was kommt Ihnen zuerst in den Sinn, wenn Sie an Leoparden denken? Scheu, verstohlen, majestätisch oder zurückgezogen? Für mich sind Leoparden die ultimativen Jäger der Savanne. Sie sind extrem anpassungsfähig und sicherlich nicht wählerisch, wenn es darum geht, Nahrung zu beschaffen.

Einer der besten Orte, um Leoparden in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, ist der Serengeti Nationalpark. Bis zu eintausend Leoparden sollen in der Serengeti leben. Dennoch ist es nicht immer einfach, sie zu entdecken. Sie sind die Meister der Tarnung und machen sich quasi unsichtbar, wann immer es ihnen passt.

Vor ein paar Jahren war ich auf Safari in der Serengeti unterwegs und hatte ein ganz besonderes Erlebnis mit Leoparden. Es war um die Mittagszeit und alle in unserer Safari-Gruppe hatten großen Hunger. Wir entschieden uns, zum Picknickplatz Mawe Meupe, auch bekannt als White Rocks, zu fahren. Als wir näherkamen, sahen wir, dass der Picknickplatz voller Menschen war. Was war los? Der Picknickplatz in Seronera ist doch sonst viel beliebter und belebter.

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Wir sahen, dass niemand draußen saß, um sein Mittagessen zu essen, was natürlich sehr sonderbar für einen Picknickplatz ist. Stattdessen fuhren die Guides mit den Autos Richtung Toiletten. Eine kurze Nachfrage bei einem anderen Guide erklärte das seltsame Verhalten der Reisenden: Leoparden!

Nicht nur einer, sondern drei Leoparden – eine Mutter mit ihren beiden Jungen – hatten sich zum Mittagessen auf dem Picknickplatz eingefunden. Die Leoparden hatten eine Grant-Gazelle gejagt und ihre Beute auf einen Baum auf dem Picknickplatz gezerrt.

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Auch wir ergatterten schließlich einen Platz mit guter Sicht auf die Leoparden-Familie. Die Mutter hatte ihren Teil des Lunchs bereits verspeist und war auf einen Baum weiter abseits gezogen. Eines ihrer Jungen saß in einem zweiten Baum und war mit der Beute beschäftigt. Das zweite Junge hatte den perfekten Platz zum Entspannen gefunden: mitten auf dem Picknicktisch. Es war unglaublich zu sehen wie entspannt der junge Leopard war. Von keinem Klicken der Kameras oder näherkommenden Fahrzeug ließ er sich aus der Ruhe bringen und seinen Mittagsschlaf stören.

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Hin und wieder fielen Knochenstücke seines beendeten Lunches vom Tisch. Wir schauten wie im Bann zu. Normalerweise sieht man Leoparden weit oben in Bäumen und nur teilweise sichtbar. Dieses mal konnten wir den Leoparden in all seiner Schönheit bewundern. An unser Mittagessen dachte dabei keiner mehr von uns.

Schließlich entschied sich das Junge, vom Tisch aufzustehen und zu seiner Mutter in den Baum zu klettern. Das zweite, weibliche Junge schmatzte munter weiter. Spätestens da war uns klar, dass wir uns heute einen anderen Platz für unser Mittagessen suchen mussten. Die Leoparden-Familie hatte den Picknickplatz definitiv für sich allein gebucht.

Wir verließen den Campingplatz mit leeren Mägen aber vollen Speicherkarten. Tierbeobachtungen wie diese sind sehr selten und einer der Gründe, warum ich den Busch so liebe!