Es ist immer wieder erstaunlich, welch einzigartigen Erlebnisse man inmitten des Serengeti Nationalparks erleben kann. So auch auf einer meiner letzten Safaris, die ich im vergangenen Mai unternahm.

Dieses Mal richtete sich unsere ganze Aufmerksamkeit gen Himmel, wo ca. 20 – 30 Weißrückengeier über einen bestimmten Ort im Busch kreisten. Auf dem Boden hatte sich ebenfalls eine große Anzahl von Geiern angesammelt. Wir stoppten, um herauszufinden, worauf es die Geier abgesehen hatten. Die Geier verhielten sich allerdings noch viel zu regegungslos und untätig, sodass uns klar war, daß sie erst noch auf ihre Chance warteten, etwas Freßbares ganz in ihrer Nähe zu erhaschen. Schließlich entdeckten wir im Busch einen Geparden, der ein Warzenschwein erlegt hatte und sich an diesem gütlich tat.

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Die Szenerie wurde immer interessanter, als sich schließlich bis zu 50 Geier am Boden tummelten. Der Gepard hingegen schien von dieser immensen Zahl von großen Vögeln in keinster Weise beeindruckt geschweige denn eingeschüchtert zu sein. Gewöhnlich versuchen Geparden ihre Jadgbeute so schnell wie möglich nach dem Erlegen an einen versteckten Ort zu bringen, um die Aufmerksamkeit von anderen Raubkatzen und Aasfressern, wie Hyänen und Geiern, zu vermeiden. Somit weichen sie unnötigen Konfrontationen aus und vermindern damit das Risiko, weder ihre Jadgbeute an andere Jäger zu verlieren, noch sich in einer feindseligen Auseinandersetzung zu verletzten. Für einen Geparden kann eine Verletzung schnell lebensbedrohend sein, da er in der Regel als Einzelgänger lebt und jagt. Am besten ist dieses Risiko wohl zu vergleichen mit einem Athleten, der schon bei der kleinsten Verletzung, seine Teilnahme an den Olympischen Spielen verpassen könnte.

Ein weiterer Aspekt der mich während dieser Tierszene beeindruckte, war die Tatache, daß dieser männliche Gepard ganz allein ein Warzenschwein erlegt hatte. Warzenschweine sind bekannt für ihre Zähigkeit und Ausdauer, sodaß selbst Löwen meist zweimal überlegen, ob sie einem Warzenschwein nachstellen sollen. In diesem Fall mußte es sich also um einen ganz besonders starken und flinken Geparden handeln, der sich keinesfalls seine Jadgbeute von einem anderen Konkurrenten streitig machen würde.

Ich habe schon viele Geparden mit ihrer Jagdbeute oder direkt nach dem Erlegen eine Tieres gesehen; aber noch nie ist mir ein so entspannter Gepard begegnet wie dieser Gefährte hier. Nur hin und wieder verscheuchte er ein paar Geier, die ihm dann doch zu nahe kamen. Die Geier nahmen die Drohgebärden ernst und hielten entsprechend Abstand von dem Geparden. Sie reihten sich schließlich geduldig in einer langen Schlange auf und warteten auf ihre Gelegenheit, einen Happen zu ergattern.

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Diese Szene erinnerte mich doch sehr an die berühmte Schlacht am kalten Buffet, allerdings in der Regel mit Menschen und nicht mit Geiern. Eine wirklich tolle Darbietung, die uns dieser besondere Gepard mitten im afrikanischen Busch bot!