Südliches Tansania und Sansibar | von Luca Schmidt – Seite 2

Unsere Zeit im Ruaha Nationalpark geht zu Ende und über die sogenannte „Never Ending Road“ geht es zurück auf den TAN ZAM Highway. Noch einmal legen wir einen Tankstop in Iringa ein, einer wichtigen Versorgungsstadt, die auf einem Hochplateau in ca. 1500m Höhe errichtet wurde. Von hier aus trennen uns nur noch knapp 50km durch die landwirtschaftlich geprägte Umgebung von unserer heutigen Unterkunft, der Kisolanza Farm. Hier erlebt man noch pures Landleben mit Schaf- und Rinderherden, Bauern- und Gemüsegärten und selbstgemachten Leckereien, angefangen bei Brot, Fleisch- und Milchprodukten. Neben einem schön begrünten Campingplatz und einfachen Unterkünften in ehemaligen Ställen bietet die Farm auch gemütliche Double and Family Cottages. Wir übernachten im ehemaligen Manager House direkt am Kuhstall und erleben das volle Landleben mit allen dazugehörigen Gerüchen und Geräuschen. Ein Musiker trommelt zum gemeinsamen Abendessen, das in einem einfach hergerichten Gebäude aus dicken Steinmauern serviert wird. Im Inneren erwartet uns eine rustikale und urige Stimmung mit gedämpftem Kerzenlicht; die Kisolanza Farm macht ihrem Ruf einer traditionsreichen Farm volle Ehre.

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Zurück auf dem TAN ZAM Highway gelangen wir nach knapp 5 Stunden wieder in die kleine Stadt Mikumi. Nach der Registrierung am Eingangstor des schon erwähnten Mikumi Nationalparks fahren wir in den nördlichen Teil des drittgrößten Nationalparks von Tanzania. Die offenen Grassavannen und Steppen verleihen dem Park nicht ohne Grund den Beinamen Little Serengeti, in der sich Gnus, Zebras und Antilopen in größeren Verbänden aufhalten. Aber auch Elandantilopen, Busch- und Wasserböcke sowie Hyänen und Löwen lassen sich mit etwas Glück in den weitläufigen Savannen entdecken. Bekannt ist der Park ebenfalls für seine große Anzahl an Elefanten und Büffeln, die man zum Teil schon vom TAN ZAM Highway aus sehen kann. Unsere heutige Unterkunft liegt im südlichen Teil des Parks und so müssen wir den TAN ZAM Highway noch einmal überqueren. Dort bietet sich dem Besucher ein komplett anderes Bild des Mikumi Nationalparks. Durch die dichte und von Miombobäumen durchzogene Vegetation gibt es nur wenige Wege und somit ist dieses Gebiet schwieriger zu erkunden. Das gesamte Gelände ist weitaus hügeliger und wir genießen diesen Vorteil mit einem grandiosen Blick auf die Steppe von der Panorama-Terrasse unserer heutigen Unterkunft, des Vuma Hills Tented Camps. Zur selben Lodgekette gehört ein ebenfalls sehr schönes Tented Camp im nördlichen Teil des Parks. Das Stanley’s Kopje Tented Camp liegt hoch erhoben auf einem gigantischen Felsen, einem sogenannten Kopje, eine bizarre Steinformation, die sich durch Wind und Regenerosion herausgebildet hat. Hat man erst einmal den etwas steilen Treppenaufgang zum Haupthaus erklommen, erwartet einen ein überwältigender 360° Blick auf die weiten und flachen Mkata Plains.

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Am nächsten Morgen starten wir in aller Frühe und erreichen nach ca. einer Stunde Mororgoro. Von nun an geht es in südlicher Richtung über eine nicht zu unterschätzende „African Massage“- Piste zum Selous Game Reserve, an dessen Eingangstor wir nach ca. 6 Stunden ankommen. Die letzten Regengüsse der großen Regenzeit sind noch nicht allzu lange her und viele Strassen sind stellenweise sehr matschig und aufgeweicht. Dies wurde einem Transferfahrer, der Hotelpersonal zu den einzelnen Lodges bringt, zum Verhängnis als er sich im dicken Schlamm komplett festgefahren hatte. Auch der Einsatz aller Passagiere in adretter Hoteluniform konnte den Wagen nicht aus dem zähen Schlamm befreien. Unser erfahrener Fahrer Lazaro wusste gleich was zu tun war und nach ein, zwei Versuchen war das Transferfahrzeug wieder manövrierfähig.

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Als Gegenleistung lotste uns der Transferfahrer zu unserem Camp für heute Nacht – ohne ihn hätten wir es vermutlich erst viel später und mit einigen Umwegen gefunden. Das Selous Luxury Tented Camp liegt weit abgeschieden im südwestlichen Teil des Parks an einem kleinen Flusslauf. Das Camp ist am besten per Kleinflugzeug über den gut 30 Minuten entfernten Airstrip Stiegler’s Gorge zu erreichen. Das Camp gehört zur Serena Kette und bietet den gewohnt üppigen und barocken Luxus. Kronleuchter und schwere Perser- Teppiche, aber auch eine freistehende nostalgische Badewanne auf vier Füßen erwarten uns in diesem Luxus Camp. Wir sind die einzigen Gäste und erfahren daher die volle Aufmerksamkeit des gut geschulten Personals und des zuvorkommenden Lodge-Managers. Am Abend kommen wir noch in den Genuss einer partiellen Mondfinsternis.

Benannt ist das Selous Game Reserve nach dem Großwildjäger und englischen Gentleman Mr. Frederick Selous, der hier im Kampf gegen die deutschen Kolonialtruppen starb. Eine Steinplatte nahe des Beho Beho River erinnert an den Tod des legendären Trophäenjägers. Schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet zum Widlschutzgebiet erklärt und ist damit das älteste Reservat Tansanias und eines der ältesten in ganz Afrika. Zugleich ist es das größte Schutzgebiet Afrikas, allerdings ist nur der nördliche Teil für Foto-Touristen zugänglich und wird dementsprechend auch als als Photographic Sector bezeichnet. Der weitaus größere südliche Teil ist allein Jagdtouristen vorbehalten. Aber auch schon dieser „kleinere“ Teil des Tierreservats ist enorm riesig und man benötigt mindestens 2 volle Tage, um einen Eindruck von der weitläufigen und vielfältigen Landschaft zu erhalten. Wir haben Glück und ein versierter Guide des Serena Camps begleitet uns im Konvoi durch den Park und zeigt uns den Weg zu den public campsites und auch zu absolut abgelegenen Plätzen des Parks. Dabei treffen wir die gesamte Zeit über auf kein anderes Fahrzeug. Erst als wir nach ca. 2 Stunden wieder die Main Road des Parks erreichen und uns in südöstliche Richtung zum Main Gate bewegen, begegnen uns einige wenige Fahrzeuge auf Game Drives.
Der breite Rufiji River durchzieht den Selous Park wie eine markante Linie und zwängt sich bei Stiegler‘s Gorge durch eine 8 km lange Schlucht. Viele Flussläufe und ein großes Seengebiet haben sich gebildet und ziehen in der Trockenzeit (Juni bis Oktober) zahlreiche Tiere an.

Schon fast unheimlich viele Krokodile lassen sich an den Ufern und in den Binnenseen beobachten. Nilpferde sind ebenfalls immer mit von der Partie. Überhaupt ist das Selous Reservat bekannt für seine großen Tierbestände. Allein die Zahl der Elefanten wird auf rund 65.000 geschätzt, hinzu kommen große Herden von Gnus und Büffeln, sowie Antilopen, Zebras, Kudus, Wasserböcke und vieles mehr. Selbst einige Spitzmaul-Nashörner soll es in diesem Gebiet noch geben, allerdings sind sie im buschigen Dickicht sehr schwer auszumachen, gleiches gilt für Leoparden. Mit etwas Glück begegnet man auch einem Rudel Wildhunde.

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Für diese Nacht sind wir im Selous Safari Camp einquartiert, wo wir durch Camp Personal und die liebenswerte Camp-Managerin Jenni einen herzlichen Empfang erfahren. Dieses luxuriöse und äußerst stilvolle Camp gehört wohl zu den besten Adressen im Park. Wir fühlen uns in den Händen von Jenni, die uns jeden Wunsch von den Augen abliest, sehr gut aufgehoben. Noch am selben Abend können wir zusammen mit unserem tapferen Fahrer Lazaro eine Bootssafari unternehmen, die uns die artenreiche Vogelwelt mit Reiher, Pelikanen, Eisvögeln, Schreiseeadler, Webervögeln etc. näher bringt. Zudem sehen wir zahlreiche Hippos und beeindruckend große Krokodile, die sich oft auf den Sandbänken und im seichten Wasser aufhalten. Für den nächsten Morgen arrangiert Jenni eine Bootsangel- Tour für Stephan, während ich in den frühen Morgenstunden eine Walking Safari mit zwei extra dafür geschulten Safari Guides unternehme. Die beiden Guides bilden ein ideales Team mit fundiertem Wissen über Flora und Fauna und dem richtigen Quäntchen an Unterhaltung. Gleich zu Beginn begegnen wir einer Gruppe Elefanten, die ganz nah am Camp vorbei ziehen. Dies ist ein ganz besonderer Moment, diesen majestätischen Tieren zu Fuß ohne Blechwand um einen herum zu begegnen – natürlich immer mit dem richtigen Sicherheitsabstand. Als Überraschung erwartet uns ein Buschbrunch mit vielen kleinen Leckereien und frisch aufgebrühtem Kaffee, und wie der Zufall es will, haben auch schon mein Kollege
Stephan und der Captain des Fischerboots unseren Frühstücksplatz entdeckt und sind natürlich herzlich eingeladen.

Insgesamt 3 große Cat Fische konnte Stephan aus dem Rujiji River fischen – keine schlechte Ausbeute bei gerade mal 2 Stunden Angeln.

Die Camp Angestellten freuen sich sehr, denn dies bedeutet ein leckeres Cat Fish Abendessen für die Crew.

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Wir verabschieden uns von Jenni und ihrem tollen Lodgeteam und setzen unsere Safari durch das Selous Reservat fort. Auf dem Weg zum Mtemere Gate helfen wir einem anderen Fahrzeug, das bereits den zweiten Plattfuss hatte und auf Hilfe wartet. Kurz danach treffen wir plötzlich auf eine Löwin, die ihre Jungen in einem ausgetrockneten Bachbett versteckt hält. Ein ein noch nicht ausgewachsener und noch sehr verspielter Junglöwe klettert auf einen Baum und probiert sämtliche Liegepositionen aus, um die richtige Schlafposition zu finden. So verbringen wir noch gut eine Stunde und beobachten die Löwenfamilie.

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Es wird Zeit, unsere Fahrt fortzusetzen, schließlich liegt unser heutiges Camp auf einer kleinen Insel inmitten des Rufjij Rivers, den wir per Boot- Transfer überqueren. Das Selous Wilderness Camp erstreckt sich über die gesamte Insel. Auf schmalen Wegen durch die dichte Urwaldvegetation erreicht man die sieben en-suite Zelte, die großzügig und sehr geschmackvoll in hellen Farbtönen gestaltet sind. Durch die buschige Vegetation fühlt man sich völlig ungestört und kann die großräumige Außendusche in vollen Zügen geniessen. Am Abend erwartet uns ein leckeres Abendessen direkt an der Uferböschung mit Blick auf den Rufiji River. Nach einer geruhsamen Nacht setzen wir am frühen Morgen wieder mit dem Boot zum anderen Ufer über. Dieses Mal laufen wir gleich mehrmals im flachen Wasser auf sandigen Grund, denn der Wasserstand hat sich über Nacht so weit gesenkt, dass unser Bootsführer den Fluss nur im Zick-Zack-Kurs durchfahren kann.

Unsere Zeit in den vielseitigen und noch wenig frequentierten Nationalparks des Südens ist nun zu Ende und wir machen uns auf den nicht zu unterschätzenden Weg zurück nach Dar es Salam. Nach ca. 3- 4 Stunden kommt Kibiti in Sicht, von wo aus eine Teerstraße die letzten ca. 150km bis nach Dar es Salam führt. Dort heißt es Abschied nehmen von unserem erfahrenen und zuverlässigen Fahrer Lazaro, der uns immer sicher und wohlbehalten zu den entlegensten Plätzen gebracht hat. Während Lazaro noch ein gutes Stück nach Arusha zu fahren hat, fliegen wir mit der Precision Air in nur 20 Minuten nach Sansibar. Die letzten Tage verbringe ich an den schönen und langen Sandstränden der Ostküste und erkunde das lebhafte Touristenzentrum Nungwi an der Nordküste der Insel.

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Für Kultur- und Geschichtsinteressierte ist ein Aufenthalt in Stone Town an der Westküste empfehlenswert. Die historische Altstadt lässt sich gut auf eigene Faust erkunden oder man lässt sich über sein Hotel einen Stadtführer organisieren, der einem alle Sehenswürdigkeiten, wie das alte Fort, das House of Wonders, den Dhauhafen etc. zeigt und auf die aufwendig verzierten Holzschnitzereien der Haustüren hinweist. Vor allem findet er auf Anhieb immer den richtigen Weg durch die unzähligen kleinen, verwinkelten Gassen, in denen man schnell die Orientierung verliert.

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Am Abend geniesse ich das bunte Treiben in den Forodhani Gardens, wo typisch würzige Swahili Gerichte sowie Fisch und Meeresfrüchte frisch auf dem Grill zubereitet werden. Dann geht es per Taxi zurück zum Flughafen, wo meine Reise endet.

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Sollten Sie Interesse an einer Lodge- oder Camping Safari durch den Süden von Tansania haben beraten wir Sie gerne weiter.