Viele Freunde fragen mich immer wieder, ob es nicht langweilig wird, so häufig den Serengeti Nationalpark zu besuchen. Doch jedes Mal antworte ich mit derselben Antwort: Niemals!
Denn dieser wunderschöne Park blüht nur so vor Leben und Abenteuer, und kein Besuch gleicht dem anderen.
Bei jeder Safari in die Serengeti habe ich das Gefühl wieder etwas Neues zu sehen und zu lernen, was ich zuvor noch nicht erlebt habe.

Ich denke, dies macht die Serengeti einfach so besonders für mich.

Das Jahr 2016 begann mit vielen und ungewöhnlich heftigen Niederschlägen. Zahlreiche Meterologen warnten bereits vor dem zu erwartenden Wetterphänomen El Nino, welches sich in Ostafrika vor allem durch heftige Regenfälle auswirkt. Für eine Weile schien dies Wirklichkeit gewesen zu sein, denn die ständigen Platzregen in der Serengeti und im Ngorongoro hielten den gesamten Januar bis Anfang Februar an.

Dementsprechend hatte ich ein mulmiges Gefühl als ich Mitte Februar mit einer Gruppe auf Safari startete. Sollten wir überhaupt Tiere zu Gesicht bekommen bei diesen äußerst heftigen und ungewöhnlichen Regenfällen?

Glücklicherweise zeigte sich das Wetter für unsere Reisegruppe gütig, was die Safari zu einem vollends gelungenen Erlebnis machte. Ein besonderer Höhepunkt auf unserer Safari ergab sich wieder einmal in der Serengeti, als wir auf einer unserer Pirschfahrten die weite Landschaft nach Tieren absuchten. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel und es war eigentlich Zeit für eine Mittagspause, als unser Fahrer Ennock plötzlich anhielt und seinen Blick auf einen weit entfernten und einsam stehenden Baum richtete.

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Noch bevor ich mein Fernglas greifen konnte, legte sich ein breites Lächeln auf Ennocks Gesicht und er fragte uns, ob wir auch die Löwen in dem Baum sehen könnten. Dieser stand immerhin mind. 500 Meter entfernt von uns und mit bloßem Auge konnte er bereits zahlreiche Löwen ausmachen.

Wir näherten uns entlang der Straße vorsichtig dem besagten Baum, als plötzlich eine ganze Schar von Löwen wie eine Explosion in alle Richtungen aufsprang. Anscheinend hatten wir das Rudel aus seiner Mittagsruhe aufgeschreckt. Da es an diesem Tag ziemlich heiß war und es weit und breit keinen weiteren schattenspendenden Baum gab, warteten wir ganz leise in unserem Safarifahrzeug. Und wie erwartet, kehrte schon bald ein Löwe nach dem anderen in den Schatten des Baumes zurück.

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Mit Ehrfurcht beobachten wir diese beeindruckende Tierszene, wobei die älteren, weiblichen Löwen ihren Ruheplatz auf den Baum wählten, während die Jungtiere lieber ein sicheres Plätzchen am Boden bevorzugten.

Ich habe während meiner Zeit als Safari Fieldguide schon unzählige Löwenrudel gesehen, aber dieses war mit Abstand das größte was ich je zu Augen bekommen hatte. Nach mehrmaligen Zählen kamen wir letztendlich auf 31 Löwen, die sich auf und unter einem einzigen Baum befanden! Daß wir dazu diese fantastische Tierszene noch ganz für uns allein und ohne weitere Safaritouristen beobachten konnten, gab dem Ganzen noch einmal das Sahnehäubchen oben drauf. Unsere erfahrenen Guides schmunzelten ebenfalls und machten Scherze, dass sie persönlich das Löwenrudel genau an diesen Ort genau zu dieser Zeit bestellt hätten.

Noch eine ganze Weile beobachteten wir das Löwenrudel, wie sie sich ganz in ihrer Katzenmanier im Gras rekelten und schnurrten. Schließlich verließen wir den Schauplatz und ließen ihnen ihre Ruhe und Frieden. Unsere Guides erzählten uns später, dass sie exakt diesen Baum für unsere Mittagspause eingeplant hatten. Wie es schien, hatte das Löwenrudel genau dieselbe Idee gehabt, kam uns aber einfach zuvor. Wir waren äußerst glücklich, nicht nur als Beobachter an diesem einmaligen Serengeti Erlebnis dabei gewesen zu sein, sondern auch, dass unsere Guides dann doch einen anderen Ort für unser Mittagessen anfuhren.