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Geschrieben von: Juan Proll am 23. März 2022 – Zuletzt aktualisiert am 6. März 2024

Ein Besuch bei den Hadza am Lake Eyasi – was dich hier erwartet

Hadzabe - Lake Eyasi in Tanzania

Für viele Reisende nach Tansania sind die Masai die bekannteste Volksgruppe des Landes. Doch sie stellen gerade mal etwa 3 Prozent in dieser multiethnischen Nation. Eine noch kleinere Ethnie bilden die Hadza (oder Hadzabe) am Lake Eyasi. Was sie so interessant macht, ist ihr noch sehr traditionelles Leben als Jäger und Sammler*innen. Touristen sind willkommen. Was dich bei einem Besuch bei den Hadza am Lake Eyasi erwartet? Hier im Blog!

Hadzabe hunting Tanzania

Stellt euch vor, morgens schon vor Sonnenaufgang geweckt zu werden. Ihr erhebt euch müde von der Antilopenhaut nahe des Feuers, reibt euch kurz die Augen, habt vielleicht irgendwo noch einen Rest Wasser zu trinken, greift euch dann Pfeil und Bogen und zieht zusammen mit den Hadza-Männern nach Tagesanbruch in die Savanne. Ohne Frühstück im Bauch folgt ihr den frischen Spuren der Wildtiere von kleinen mausartigen Säugetieren über kleinere Vögel und Strauße, Affen, Impalas und Gnus. Die Beute ist schnell gefunden. Ihr greift euren ersten, im Gift der Wüstenrose getränkten Pfeil, spannt ihn auf dem Bogen, zielt und lasst ihn dann geschmeidig von der Sehne schießen.

Mit dem frisch erlegten Fleisch geht es zurück zur Familie. Doch um den morgendlichen Hunger zu stillen, wird zunächst ein Teil des erlegten Wilds gegessen. Und während der fellbelassene Arm des Pavians über dem Feuer gart, dass ihr selbst – irgendwann einmal spielerisch erlernt – entfacht habt, geht ihr hinüber zu einem Baum und schlagt mit eurer Machete einen dicken Ast an seiner Verbindung zum Stamm ab. Wilder Honig kommt zum Vorschein. Aufgeregt laufen die neuen Wächter*innen des von den Honigbienen verlassenen Schlemmerparadieses an die Front. Aber für euch ist die süße Versuchung zu groß, um euch von der Kampfeinheit der Ameisen abschrecken zu lassen. Ihr greift tief in den Hohlraum hinein und nehmt euch den leckeren Naturstoff. Im Lager heißt es dann, das erbeutete Tier, oder seine Reste zumindest, für ein Festessen zu präparieren, um es mit den anderen am abendlichen Lagerfeuer zu teilen. Dabei erzählt ihr euch Geschichten von der Jagd, lacht, singt und tanzt. Ein ungewöhnlicher Tag geht zu Ende, eine besondere Erfahrung bleibt.

Es ist Zeit für euch, aus eurem Traum zu erwachen und euch auf euren Kaffee und ein leckeres Frühstück zu freuen. Das Leben als Hadza ist hart genug, das meiste Großwild längst aus den Jagdgründen verschwunden und die Last der Zivilisation immer erdrückender. Aber es gibt sie noch und damit auch die Gelegenheit für euch, ihnen wenigstens für ein paar Stunden einmal zu begegnen und sie in ihrem Alltag zu begleiten.

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Was erwartet mich bei einem Besuch der Hadza am Lake Eyasi? Wer sind die Hadzabe?

Um die 1.000 Menschen in Tansania verstehen sich heute noch als Zugehörige der Hadza. Sie leben entlang der Ufer des Eyasisees südlich des Serengeti Nationalparks. Man schätzt, dass etwa um die 300 von ihnen auch heute noch sehr traditionell auf der Basis des Jagens und Sammelns überleben. Touristen sind willkommen, sie bei ihren alltäglichen Routinen zu begleiten. Für euch bietet sich hier eine große Chance, mit einem der weltweit letzten Jäger- und Sammler*innen-Völker eine gemeinsame Zeit der Leichtigkeiten und Schwierigkeiten zu erleben und dabei eine besondere Kultur kennen zu lernen. Die Hadza sind eines der letzten authentisch lebenden Modelle dafür, wie unsere Vorfahren ohne technologische Fortschritte wie Landwirtschaft und moderne Waffen gelebt haben.

Anders als viele andere traditionelle Völker sind die Hadza eher nur minimalistisch religiös. Sie widmen sich daher nur wenigen religiösen Praktiken und sind auch weniger einem Glauben an die Existenz mächtiger übernatürlicher und moralisierender Kräfte verhaftet.

Wie leben die Hadzabe in Tansania?

Die Hadza leben in kleinen Gruppen oder „Lagern“. Ihre Größe schwankt je nach Trockenzeit oder Regenzeit und bewegt zwischen ca. 10 und 100. Wenn sich in Trockenzeiten die Anzahl von Wasserstellen verringert und sich damit gleichzeitig die Menge der Wildtiere an den verbleibenden Tränken erhöht, wachsen auch die Camps.

Sobald sich die Ressourcen in der Nähe des Lagers erschöpfen, wechseln die Gruppen ihren Standort. Das geschieht etwa alle sieben bis acht Wochen. In der arbeitsteiligen Gesellschaft sehen sich Männer vor allem für die Fleischbeschaffung und den Honig verantwortlich, während sich Frauen hauptsächlich auf die vegetarische Kost konzentrieren. Sie pflücken und schütteln Wildfrüchte von Bäumen und Sträuchern, sammeln sie in der Landschaft auf oder graben sie aus dem Erdboden, darunter Beeren und Feigen, Früchte, Nüsse und Wurzelknollen. Eine Tätigkeit, um die die Männer sich aber auch nicht drücken, vor allem wenn sie Fleisch oder Honig nicht beschaffen können.

Hadzabe group men Tanzania

Anthropologen wie James Woodburn oder Frank Marlowe attestieren den Hadza ein hohes Maß an Egalitarismus in unterschiedlichen Lebensbereichen. Sie blenden dabei aber nicht aus, dass Männer gegenüber den Frauen schon dominieren. Nur ist der Unterschied im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen gering. So gibt es offensichtlich keine Anführer*innen und Entscheidungen treffen sie gemeinsam als Gruppe. Und obwohl ein höheres Alter einer einzelnen Person zusätzlichen Respekt verschaff, gilt sie deswegen aber nicht als mächtiger gegenüber jüngeren Gruppenangehörigen.

Interessant ist auch ihr Verhältnis zu Besitztümern. Sie sind auf wenig persönliches Eigentum beschränkt, während Materielles praktisch keine Rolle spielt. Nachvollziehbar also, dass die Hadza historisch auch keinen Landbesitz und damit verbundene Rechte kannten. Damit waren sie in der „modernen“ Welt leicht auszubeuten. Ihnen wurden Grenzen gesetzt, die zunehmend kleiner wurden. Gleichzeitig drangen immer mehr andere Populationen in ihr angestammtes Land und verringerten die Qualität ihres Lebensraums, zum Beispiel durch Ackerbau und Viehzucht. Es ist ihrem Überlebenstrieb zu verdanken, dass sie es entgegen ihrer kulturellen Haltung erfolgreich schafften, ihre ohnehin stark eingegrenzte Existenz durch den Erwerb von Landrechten zu sichern. Dem voraus gingen schwierige Verhandlungen mit der Regierung Tansanias..

Lohnt sich der Besuch bei den Hadzabe am Lake Eyasi? Was könnt ihr erwarten?

Allem voran könnt ihr den letzten Repräsentanten der ostafrikanischen Urbevölkerung begegnen. Ihr trefft einfachste Lebensbedingungen in einem „archaisch“ wirkenden Umfeld an. Die Verständigung ist erst einmal nur über euren Guide möglich. Selbst Wörter nachzusprechen ist schwierig, weil ihre Sprache, „Hadzane“ genannt, Klicklaute verwendet. Später erst, wenn ihr mit den Hadza ein bisschen vertrauter seid, setzt dann verstärkt die körper- und zeichensprachliche Verständigung ein. Dennoch ist es wie eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Ihr werdet euch in einer völlig fremden Welt fühlen. Eher unwahrscheinlich, dass sie euch gleich etwas zu trinken oder essen anbieten können. Sie betreiben keine Vorratshaltung. Das Angebot ist stattdessen: „Komm, geh mit uns auf die Jagd oder setz dich zu uns ans Lagerfeuer und lass uns zusammensein.“

Walking with Hadza Tanzania

Je nach Tageszeit muss dieses Feuer vielleicht erst einmal entfacht werden. Eine gute Gelegenheit für euch, diese Kunst da draußen im Busch zu erlernen. Nach einem Internet-Zugang, um euch zum Feuermachen eine Lektion auf YouTube anzuschauen, braucht ihr aber gar nicht erst fragen. Den gibt es hier sicher nicht. Ihr müsst euch dafür ganz auf die Lehrfähigkeit der Hadza verlassen. In der Trockenzeit spielt sich alles im Freien ab. In der Regenzeit bauen sie aus langen Zweigen und Gräsern auf den Kopf gestellte Vogelnester. Natürlich in einer Größe, die ihnen Raum gibt, darunter zu wohnen und zu schlafen. Möbel gibt es hier aber keine.

Vielleicht sind aber auch schon alle Familienmitglieder ausgerückt: die Männer auf der Jagd, die Frauen auf der Suche nach Feld-, Strauch- oder Baumfrüchten. Dann heißt es, sie erst einmal zu finden. Das Lebensgebiet der Hadza ist zwar in den letzten 100 Jahren um geschätzte 90 Prozent geschrumpft, aber noch immer kann man lange umherirren, bis man hier jemanden antrifft. Im Zentrum der Gegend ruht der Lake Eyasi südwestlich des Ngorongoro Krater. Eine steile Küste säumt die Ufer des salzhaltigen, abflusslosen Gewässers. Den Nordosten schmücken Akazien und Palmen. Im weiteren Umfeld befindet sich mal mehr mal weniger dichtes Buschland, wo hier und da Schirmakazien und Baobab-Flaschenbäume Akzente setzen.

Wenn ihr die umherstreifenden Hadza-Frauen und -Männer gefunden habt, geht es auch schon gleich an die Arbeit, Seite an Seite mit dem Naturvolk. Aber verwechselt Wurzelknollen bitte nicht mit Steinen. Und verjagt das Wild nicht mit unbedachten Schritten. Eventuell versucht ihr selber ja auch einmal euer Jagdglück. In einem Speed-Training bringen euch die Buschexperten das Schießen mit Pfeil und Bogen bei. Es ist Teil des Spaßes und eine interessante Erfahrung.

So sehr die Lebensweise hier auch wie eine Parallelwelt unseres vertrauten Universums erscheinen mag, so erwartet bitte keine Begegnung ohne Widersprüche. Zu eng ist die moderne Zivilisation und die Macht der Herrschenden herangerückt, als dass sich die Hadza komplett vor äußeren Einflüssen schützen könnten. So ist zum Beispiel das Tragen moderner Kleidung heutzutage wahrscheinlich authentischer als das Tragen von Wildtierhäuten. Der Kern des Ursprünglichen und Naturnahen bleibt aber sichtbar.

Für diejenigen, die nicht nur von einer Besteigung des Kilimanjaro, der Tierwelt der Serengeti und den weißen Sandstränden auf Sansibar träumen, sondern auch kulturelle Begegnungen erleben möchten, ist ein Besuch der Hadza eine tolle Gelegenheit.

Tansania ist voller Highlights. Das Hadza-Volk ist für Freunde von Begegnungen mit fremden Kulturen eine Besonderheit. Wir stehen gerne für Rückfragen und Unterstützung bei der Planung deiner Tansania-Reise bereit, egal ob auf einer Lodge Safari und zum Camping Safari . Hier vor Ort wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid. Also melde dich bei uns!

Autor: Juan Proll

Reisen war schon immer Juan Prolls große Leidenschaft: Drei Jahre in Lateinamerika, zwei Jahre in Südostasien und Ozeanien sowie Kurzreisen bis zu neun Monaten in Europa, Mittelamerika und Nordafrika. 2010 entschied er sich, seinen Beruf in Deutschland als Lehrer der Erwachsenenbildung und Leiter eines Kompetenzzentrums für Migrationsfragen an den Nagel zu hängen und in Südafrika Ranger zu werden. Seit 2011 ist Juan nun in Afrika unterwegs, bereiste das südliche und östliche Afrika und bestieg auch den Kilimandscharo in Tansania. Zunächst aber machte er seine Nature-Guide-Ausbildung in Südafrika und arbeitete in einem Big Five Wildreservat. Mit weiteren Ausbildungen und intensivem Selbststudium zum Cultural Guide hat Juan seitdem sein Wirkungsfeld über die Tierwelt hinaus auf Land und Leute ausgedehnt. Mitte 2013 wechselte er zu Africa-Experience und führt seitdem als Safari Guide Reisende durch Afrika. Juan ist Mitglied im Berufsverband Field Guides Association of Southern Africa.

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