Seit zehn Jahren begrüßt das Team von Tanzania-Experience Reisende aus aller Welt in Tansania und nimmt sie mit auf unvergessliche Safaris, steigt mit ihnen auf den höchsten Berg Afrikas und zeigt ihnen die schönsten Sonnenplätze am Indischen Ozean.

Co-Founder und Managing Director Henning Schmidt schaut zurück und voraus.

 

Du kommst gebürtig aus Deutschland. Elefantenherden, die über die Savanne streifen, sucht man dort vergebens. Kannst du dich noch an deine erste Safari in Tansania erinnern?

Das war Anfang 2002. Ich hatte gerade mein Praktikum in Marangu am Fuß des Kilimanjaro abgeschlossen. Eine eigene Safari konnte ich mir als Student nicht leisten, aber glücklicherweise besuchten mich meine Eltern und nahmen mich mit auf meine erste Lodge Safari in den Northern Circuit. Wir waren in einer richtigen Klapperkiste unterwegs. Beim Buffet habe ich mich erst mal auf den Käse gestürzt und mir ordentlich den Magen verdorben. Käse war damals etwas Besonderes in Tansania, das gab es während meines Praktikums nicht. Mein Magen war total überfordert.

Aber natürlich habe ich vor allem positive Erinnerungen. (lacht) Die Wildtiere haben mich beeindruckt, aber viel mehr noch die Landschaften. Diese unglaubliche, wirklich unbegreifliche Weite, daran erinnere ich mich heute noch. Das hat mich umgehauen.

 

Heute sind Safaris und Trekkingtouren deine tägliche Arbeit. Das klingt erstmal romantisch bis draufgängerisch – ist es das auch?

So würde ich es nicht unbedingt nennen. Langweilig wird es trotzdem nicht! Jeder Tag bringt etwas, mit dem man nicht gerechnet hat. Wir müssen unsere Augen und Ohren überall haben und wissen, was im Land passiert: Im Kilimanjaro Nationalpark kann man jetzt auch mit dem Fahrrad fahren, zwischen Dar es Salaam und Ngorongoro ist eine Brücke eingestürzt und das Massai-Dorf hat einen neuen Chief, der die Strukturen ändern will. Diese Infos segeln nicht als Facebook-Nachricht in mein Postfach, da heißt es recherchieren und netzwerken. Ansonsten komme ich vor allem zum Einsatz, wenn es mal nicht so rund läuft: Ein Auto bleibt liegen oder ein Gast ist nicht glücklich. Dann treffe ich am Ende die Entscheidung, wie wir die Situation positiv lösen. Aber diese Fälle sind ja die Ausnahme.

 

Das klingt nach Schreibtischarbeit. Wann warst du das letzte Mal auf Safari?

Wir schauen uns regelmäßig Unterkünfte und Ausflugsziele bei Site-Inspections and. Aber als Privatperson? Dieses Jahr noch nicht. Für mich und alle Kollegen ist es auch schwierig, einfach mal in die Serengeti zu fahren, um dort zu entspannen. Wir sehen es immer durch die Business-Brille: Was würden meine Gäste zu dem Camp sagen, wie ist der Service, wie organisieren andere Tour Operator vor Ort die Gruppen? Für private Reisen versuchen wir meist, in ganz andere Regionen zu fahren, ab von den üblichen Pfaden, um dort Neues zu entdecken. Aber auch hier fragen wir uns: Vielleicht hat die Region potential für unsere Gäste?

 

Ein Safari Start-Up zu gründen, ohne die lokalen Strukturen genau zu kennen, war sicherlich nicht einfach. Wie lief das ab?

Das war schon eine Nummer. Damals gab es noch keine Blogs zum Thema „Wie gründe ich eine Firma in Tansania“. Das Meiste musste vor Ort erfragt und geklärt werden. Vor Ort wiederum gab es oft gar kein Internet oder überhaupt Strom. E-Mails habe ich in Word vorgeschrieben, auf einem USB-Stick gespeichert und im Internet Café im günstigen Moment abgeschickt. Glücklicherweise habe ich auf einer meiner ersten Tansania-Reisen Franco und Wilson kennengelernt. Beide arbeiteten schon damals im Safari- und Trekkingbusiness, hatten ein großes Netzwerk. Heute sind sie unsere dienstältesten Mitarbeiter!

 

Zehn Jahre später besteht das Tanzania-Experience Team aus mehr als 80 festangestellten Mitarbeitern, mehr als 20 Toyota Land Cruiser sind auf Safaris in den Nationalparks unterwegs, die eigene Bergmannschaft bringt die Gäste sicher zum Gipfel und zurück. So gut ausgestattet ging es vor zehn Jahren bestimmt nicht los, oder?

Nicht ganz, nein. (lacht) Wir sind bescheiden gestartet und haben viel improvisiert. Oft stand ich morgens früh um 5:30 Uhr am Straßenrand und bin mit einem Dalla Dalla, einem lokalen Bus, 150 Kilometer nach Marangu gefahren, um dort unsere Trekking-Gäste für ihren Kilimanjaro-Aufstieg zu briefen. Auf dem Schoß hatte ich einen riesigen Korb mit Campingausrüstung für die Gruppe. Die Zelte hatte ich bereits aus Deutschland mitgebracht. Abends saß ich oft noch mit den Gästen bei einem Bierchen zusammen. Ich erinnere mich an sehr lange Tage und sehr kurze Nächte.

Damals wurden viele Nationalparkgebühren noch bar in US-Dollar bezahlt. Das heißt, man brauchte regelmäßig mal eben 10.000 US-Dollar in bar. Wenn die Banken gerade keine Dollar hatten, musste man sich das Geld bei einem befreundeten Tour Operator leihen und anders herum genauso. Wir sind mit Taschen voller Geld durch die Stadt gelaufen!

Unser erstes Büro – und gleichzeitig meine erste Wohnung – war im Zentrum von Arusha. Im Garten standen keine Gartenstühle, sondern fünf Land Cruiser, das wurde schnell eng. 2010 haben wir deshalb Land gekauft und in Eigenregie unser eigenes Büro gebaut.

Mit dem neuen Büro wollte ich auch Werte schaffen. Wir arbeiten klar, strukturiert und im Team. Vor meinem Fenster nisten Webervögel, ich sehe hinauf zum Mout Meru und bin nah an der Natur. In einem kleinen, dunklen, vergitterten Zweckbau, in dem überall Aktenberge rumstehen, kannst du keine großen Ideen entwickeln!

 

Welche Intention steckt hinter Tanzania-Experience? Warum steckt das Team all seine Energie, Zeit und Liebe in dieses Unternehmen?

Das ist ganz einfach: Wir wollen tolle Erlebnisse schaffen! Wir haben selbst so viele unvergessliche Momente in Tansanias Natur erleben dürfen und möchten das auch unseren Gästen ermöglichen. Wir möchten ihnen das zeigen und mit ihnen das teilen, was wir lieben: einmalige Erlebnisse in der Natur.

Auf Geschäftsebene wollen wir vor allem langfristig und nachhaltig auftreten. Wir haben uns für Tansania entschieden und wurden willkommen geheißen. Das heißt auch, dass wir nicht beim ersten Problem unsere Zelte abbrechen und dem Land den Rücken zukehren. Wir bringen langfristige Investitionen ins Land, schaffen Arbeitsplätze und leisten so einen Beitrag für die positive Entwicklung Tansanias. Das beginnt schon im Internen: Ich stehe hinter meinem Team, wir vertrauen und unterstützen uns gegenseitig. Deshalb sind viele unserer Kollegen auch schon jahrelang bei uns. Zu spät zu kommen geht trotzdem gar nicht. Da bin und bleibe ich einfach sehr deutsch. (lacht)

 

Welche Verantwortung hat Tanzania-Experience als Tourismus-Unternehmen der Gesellschaft und Umwelt gegenüber?

Kein Unternehmen arbeitet in Isolation, wir müssen uns immer im Kontext sehen. Wenn Tourismus nachhaltig betrieben wird, nimmt er dem Land nichts weg. Im Gegenteil, Tourismus gibt zurück. Ohne den Tourismus würde es Gebiete wie die Serengeti in ihrer jetzigen Form längst nicht mehr geben.

Ganz konkret denken wir aber lokal und fangen im Kleinen an. Durch gezielte Aktionen wollen wir das Umweltbewusstsein in unserer direkten Nachbarschaft verstärken. Deshalb haben wir zum Beispiel Schulkinder aus der benachbarten Grundschule in den Arusha Nationalpark eingeladen. Die meisten von ihnen leben zwar ganz in der Nähe des Parks, waren aber noch nie da. Wir klären auf, warum unsere Gäste nach Tansania kommen, warum es wichtig ist, Wildtiere zu schützen, aber auch, welche Jobmöglichkeiten es im Tourismus gibt. Wir unterstützen ein benachbartes Tierheim, das Straßenhunde kastriert und impft. Tollwütige Straßenhunde können zum ernsten Problem für Locals aber auch Wildtiere werden.

Wir fühlen uns auch verantwortlich für das Verhalten unserer Gäste. Deshalb erklären wir vor der Safari genau, wie man sich unterwegs verhalten muss, damit Umwelt und Tiere so wenig wie möglich gestört werden. Das verstehen unsere Gäste und sind direkt an Bord. Bei uns lässt keiner seinen Müll auf dem Campingplatz in der Serengeti zurück. Der wird wieder mit nach Arusha gebracht und hier recycelt.

 

Wohin geht die Reise mit Tanzania-Experience in den nächsten zehn Jahren?

Hoffentlich in viele abgelegene Gegenden Tansanias! Wir möchten unseren Gästen noch mehr Ziele abseits der klassischen Pfade zeigen. So erleben sie als Reisende noch außergewöhnlichere Momente in der Natur und die positiven Effekte für Locals und Umwelt erreichen auch Communities in entlegeneren Regionen. Auch grenzübergreifende Safaris in Tansania und Kenia wollen wir wieder verstärkt anbieten. Natürlich möchten wir als Unternehmen auch wachsen – ohne dabei aber unsere Werte aufs Spiel zu setzen und unsere persönliche und familiäre Atmosphäre zu verlieren.

Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, dass uns unsere Gäste entgegenbringen. Und das meine ich wirklich so. Wir nehmen das sehr ernst und verdienen uns dieses Vertrauen mit unserer Arbeit und unserem Einsatz jeden Tag aufs Neue.