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Geschrieben von: Juan Proll am 15. Februar 2023

Lohnt sich ein Besuch in Arusha? Was kann man in der Safari-Hauptstadt in Tansanias Norden machen?

Arusha - Safari Hauptstadt

Arusha ist die Safari-Hauptstadt in Tansanias Norden. Hier ist nicht nur das Herz unserer operativen Tätigkeiten, um euch eine unvergessliche Reise zu bereiten. Auch sonst ist die Stadt, aber auch ihre Umgebung touristisch sehr interessant. Lohnt sich ein Besuch in Arusha? Wir geben die Tipps, was man in Arusha machen kann.

Lohnt sich ein Besuch in Arusha?

Zugegeben: unser „Operations“ Büro in der Nähe von Arusha wäre eine touristische Attraktion an sich. Auch wenn ich kein ständiger Gast dort bin. Und auch wenn die Crew dort zu bescheiden ist, irgendetwas in einem Blog wie diesem über sich selbst zu lesen. Aber dieses international zusammengesetzte Team aus netten, hoch engagierten Menschen steht für mich beispielhaft für das, was Arusha ausmacht: Eine bunte Vielfalt von Lebenskonzepten, die darin zusammenkommen, das Beste aus dem eigenen Dasein zu machen und gleichzeitig Reisenden eine schöne Zeit zu bescheren.

Arusha ist nach europäischen und amerikanischen Standards keine attraktive Stadt. Jedenfalls nicht für die, die an eine Architektur wie in Amsterdam denken oder eine so abwechslungsreiche Stadt wie New York vor Augen haben. Arusha steht mehr für einen besonderen afrikanischen Vibe. Die Einheimischen bezeichnen ihre eigene Stadt daher nicht umsonst mit einem gewissen Stolz als A-Town. Aber der Reihe nach – schauen wir uns an, warum sich ein Besuch in Arusha lohnt.

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Lohnt sich ein Besuch in Arusha? – Seine Geschichte

Der Städtenamen Arusha geht auf die agro-pastoralen Arusha Maasai zurück, die diese Gegend in den 1830er Jahren besiedelten. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Ort zu einem Handelszentrum in der Region. Eine dramatische Wendung der Geschichte folgte 1896: Die Deutschen erobern Arusha. Sie begründen es damit, dass zwei Missionare ermordet wurden, die sich am nahe gelegenen Mount Meru niederlassen wollten.

Vier Jahre später errichtet die deutsche Schutztruppe hier eine Militärfestung. Für ihren Bau vertreiben sie die Einheimischen gewaltsam aus ihrem angestammten Land und zwingen sie, Kalk zu graben und Steine zu tragen. 1916 übernehmen dann die Briten und schmeißen die deutschen Beamten, Polizisten und Soldaten aus dem Land. Nach dem 1. Weltkrieg führen die Briten die Zivilverwaltung ein und verlegen den Sitz der Regionalverwaltung nach Arusha. Missionaren aus den Vereinigten Staaten gibt es die Gelegenheit, die „verlorenen Seelen“ unter der afrikanischen Bevölkerung zu bekehren. Gleichzeitig besetzen britische und griechische Siedler die ehemaligen deutschen Farmen. Den Einheimischen bleibt wieder nur das Nachsehen.

In den folgenden Jahren entwickelt sich Arusha zunächst zu einer polyglotten, vielleicht zu sehr verwestlichten Kleinstadt. Später mausert es sich dann zu einem bedeutungsvollen Ort in der Geschichte des modernen Tansanias. Hier unterzeichnen 1961 Vertreter des Königreiches und der neuen unabhängigen tansanischen Regierung Vereinbarungen für die Unabhängigkeit. 1967 führt die Arusha-Erklärung zur Verstaatlichung der Banken. 1994 richtet der UN-Sicherheitsrat in Arusha den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda ein. 2015 schafft das Arusha-Abkommen die Rahmenbedingungen für die Wiedervereinigung der zersplitterten Regierungspartei im Südsudan.

Heute ist Arusha eine Großstadt, in der weit über 400.000 Einwohner*innen leben (Zensus 2012). Es ist das Zentrum des tansanischen Tourismus und wird deshalb im Volksmund gerne auch in Anlehnung an die Hauptstadt Dar es Salaam scherzhaft „Dar es Safari“ genannt.

Ist Arusha sehenswert? – Das Stadtleben

Es passt zu der Stadt, dass hier vom 21. bis 27. Mai dieses Jahres das „FESTAC AFRICA 2023 – DESTINATION ARUSHA“ stattfindet. Es ist Afrikas größtes Kulturfestival im Jahr 2023 und zielt darauf ab, die blühenden Talente aus und innerhalb Afrikas hervorzuheben und zu fördern. Die Organisatoren verstehen es als eine Feier der Kulturen, in der sie das afrikanische Erbe in Form von Kunst, Mode, Musik, Tanz, Geschichtenerzählen, Poesie, Film, Tourismus, Gastfreundschaft und Gastronomie miteinander teilen. Außerdem präsentieren Künstler*innen aus verschiedenen Ländern Afrikas und der ganzen Welt in Live-Auftritten den Reichtum ihrer Kultur.

Arusha zeigt, dass ein Ort auch ohne schöne Bauten interessant sein kann, eben durch seine Menschen und das Straßenleben. In diesem Sinne ist A-Town eine stimmungsvolle, pittoreske und auch widersprüchliche Stadt, die vielfältige Eindrücke verspricht.

Arusha Stadt Tansania

Hier blicken wir auf diejenigen, die im nackten Überlebenskampf umherziehen, betteln oder ihr Essen in Mülleimern suchen. Dort sehen wir die große Mehrheit derjenigen, deren Work-Life-Balance bedeutet, die meiste Zeit des Tages am Straßenrand oder auf einem Markt zu verbringen und Waren zu verkaufen. Und dann schauen wir denjenigen entgegen, die es scheinbar geschafft haben, eine gewisse Leichtigkeit in ihr Leben zu bekommen. Sie sitzen in Cafés und Restaurant oder steigen in Taxis. Doch am Ende wird schnell klar: Das Leben ist hier anders. Das ist Afrika. Und die Menschen heißen Touristen immer wieder willkommen. Sie sind ein Teil ihres Lebens geworden.

Was kann man in Arusha machen? – Sehenswürdigkeiten

Wenn es um Sehenswürdigkeiten geht, lassen sich in einer Stadt wie Arusha die Dinge am besten auf einer geführten Stadttour mit einem Guide sehen. Schon bekommt man auch das Bild einer facettenreichen und geschichtsträchtigen Safari-Metropole. Wer lieber ohne Guide unterwegs ist, könnte an folgenden Orten Spaß haben:

  • Arusha Clock Tower
    Der etwas verloren in der Gegend stehende Clock Tower ist ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Es heißt, dass der Uhr-Turm auf halber Strecke zwischen Kairo und Kapstadt liegt. Ein Blick auf die Landkarte scheint das aber nicht zu bestätigen.
  • Cultural Heritage Center
    Mehr am Stadtrand als zentral gelegen, aber irgendwie anders ist das Kulturerbe-Center. Die Gestaltung des Gebäude-Äußeren mit einer Trommel, einem Schild und einem Speer repräsentiert die typischen afrikanischen Symbole. Sie stehen für das kulturelle Erbe Afrikas, das im Innern des Centers in Form von Schmuck, Antiquitäten, lokalem Kunsthandwerk, einer Kunstgalerie und anderen Dingen mehr materialisiert wird.
  • Arusha National Natural History Museum
    Dieses Museum ist im alten deutschen Fort, auch „Boma“ genannt, untergebracht. Es vermittelt passend zur ‚Location‘ Wissenswertes zur deutschen Kolonialgeschichte und der Unabhängigkeitsbewegung im Land. Darüber hinaus gibt es vor allem anhand informativer Schaukästen spannende Ausstellungen zur Geschichte der Evolution von Mensch und Tier. Im netten Museumscafé könnt ihr am Ende gut über die Menschheit philosophieren.
  • Declaration Museum
    Das Museum ist in dem Gebäude untergebracht, in dem 1967 die Arusha-Erklärung verkündet wird. Sie ist richtungsweisend für Tansanias neue Eigenständigkeit und sozialistische Politik. Diese Zeit, die politischen Entscheidungen und Herausforderungen sowie ihre Auswirkungen auf die Gegenwart zu verstehen, ist Gegenstand des Museums.
  • The Tanzanite Experience Museum
    Hier dreht sich alles um den exklusiven Edelstein Tansanit. Das Museum verschafft einen großartigen Überblick über Abbau, Geschichte und die Verarbeitung des blau-violetten Juwels, der in dieser Qualität nur in Tansania zu finden ist.
Klockenturm Arusha
Arusha Clock tower, Foto: R Boed/Flickr

Wer aber nicht für Museumsbesuche auf Reisen geht, wird ganz sicher an zwei sehr besonderen Märkten Gefallen finden:

  • Kilombero Market
    Es ist Arushas größter Markt. Perfekt zum Schlendern und Staunen. Vorsicht vor Händlern, die prall gefüllte Handkarren ohne Rücksicht auf eure Füße durch die Menge schieben. In ihnen findet ihr frisches Obst und Gemüse aus der Region. Aber auch die Stände bieten alle marktüblichen Produkte: Fleisch, Fisch, Gewürze … ein wahres Schlemmer-Paradies und Verführer deiner Sinne.
  • Massai Market
    Unweit des Clock Towers findet ihr Arushas angesagten Maasai Markt, ein Mekka des tansanischen Kunsthandwerks: Masken, Bilder, Schmuck, Schuhe, Kleider und Maasai-Speere. Dazu bunt verpackte Maasai-Verkäufer*innen, die zum Feilschen einladen.

Und denjenigen, die noch mehr vom speziellen Arusha-Feeling möchte, denen empfehle ich den geschäftigen Busbahnhof.

Tagesausflüge ab Arusha – Die Umgebung

In der Umgebung von Arusha ist ganz besonders der Arusha Nationalpark hervorzuheben, der nicht weit entfernt vom Zentrum liegt. Zwar sind Elefanten hier nicht so üppig anzutreffen wie zum Beispiel in der Serengeti. Und Löwen findet ihr gar nicht. Aber der Park ist das „natürliche“ Gegenstück zur Zivilisation in „Dar es Safari“. Auf einer geführten Tagestour im 4×4 Safariauto könnt ihr hier in wenigen Stunden eine betörende Vielfalt von Lebensräumen erkunden und atemberaubende Panoramen des Mount Meru und des Kilimandscharo genießen. Offene Savannen, Wälder, Seen und Sümpfe bis hin zu felsigen Gipfeln bieten eine Palette außergewöhnlicher Landschaften.

Giraffen Arusha Nationalpark lohnt sich Besuch

Bei der Einfahrt im südlichen Teil des Nationalparks heißen euch Giraffen und Zebras auf den Grassavannen der „Kleinen Serengeti“ willkommen. Von dort geht es in einen schattigen Bergwald, der von neugierigen Affen und bunten Turacos und Trogons bewohnt wird. Nirgendwo sonst auf dem Northern Circuit sind die geschmeidigen schwarz-weißen Colobus-Affen so leicht zu finden. Mitten im Wald steht der Ngurdoto-Krater, dessen steile Felsklippen schützend Büffelherden und Warzenschwein-Familien umschließen. Nördlich davon liegt die Momella-Seenplatte. Die verschiedenen Blau- und Grüntöne mancher Seen verfärben sich in ein sanftes Rosa, wenn tausende Flamingos zu Besuch kommen. Ein Farben-Flash für die hier lebenden Hippos.

Auch der Mount Meru ist Teil des Arusha Nationalparks. Mit seinen abwechslungsreichen Wegen und Pfaden, an Bächen entlang und an Wasserfällen vorbei, gehören Mt Meru Besteigungen zu den Trekking-Highlights des Landes.

Ein Besuch in Arusha lohnt sich. Und wir stehen gerne für Rückfragen und Unterstützung bei der Planung deiner Tansania-Reise bereit. Tanzania-Experience ist ein verlässlicher Partner an deiner Seite. Also melde dich bei uns!

Autor: Juan Proll

Reisen war schon immer Juan Prolls große Leidenschaft: Drei Jahre in Lateinamerika, zwei Jahre in Südostasien und Ozeanien sowie Kurzreisen bis zu neun Monaten in Europa, Mittelamerika und Nordafrika. 2010 entschied er sich, seinen Beruf in Deutschland als Lehrer der Erwachsenenbildung und Leiter eines Kompetenzzentrums für Migrationsfragen an den Nagel zu hängen und in Südafrika Ranger zu werden. Seit 2011 ist Juan nun in Afrika unterwegs, bereiste das südliche und östliche Afrika und bestieg auch den Kilimandscharo in Tansania. Zunächst aber machte er seine Nature-Guide-Ausbildung in Südafrika und arbeitete in einem Big Five Wildreservat. Mit weiteren Ausbildungen und intensivem Selbststudium zum Cultural Guide hat Juan seitdem sein Wirkungsfeld über die Tierwelt hinaus auf Land und Leute ausgedehnt. Mitte 2013 wechselte er zu Africa-Experience und führt seitdem als Safari Guide Reisende durch Afrika. Juan ist Mitglied im Berufsverband Field Guides Association of Southern Africa.

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