Die Chagga gehören zu einer der zahlreichen Ethnien von Tansania und bewohnen das Gebiet rund um den höchsten Berg von Afrika, den Mount Kilimanjaro. Wie viele andere traditionelle Volksgruppen in Tansania besitzen sie ein besonderes traditionelles Kulturgut, das sie bis in die heutige Gegenwart pflegen. Für die Chagga ist dies Mbege, ein alkoholisches Getränk aus reifen Bananen und gekeimten Hirsemehl, das bei allen wichtigen sozialen Ereignissen nicht fehlen darf.

Obwohl der eigentliche Geschmack des Mbege eher an Wein erinnert, bezeichnen die meisten es als Bier. Gebraut wird Mbege traditionell von Frauen. Die Herstellung ist relativ zeit- und arbeitsaufwendig und erfordert zwischendurch viele helfende Hände.

Zuallererst müssen die spezifisch für Mbege geeigneten Bananen geerntet werden. Der Name dieser besonderen Bananenart heißt „Ndizi Ngombe“, was übersetzt so viel bedeutet wie Kuhbananen. Nachdem die Bananen geerntet worden sind, werden sie in einem warmen und dunklen Ort im Haus zum weiteren Reifen gelagert. Je nach Wetterlage kann die Reifung der Bananen bis zu sieben Tagen dauern.

Sobald die Bananen ihren Reifepunkt erreicht haben, werden sie geschält und in einem sehr großen Kessel mit Wasser aufgekocht. Während des Kochvorgangs wechselt die Bananen ihre Farbe von anfänglich gelb-weiß zu rot-braun. Nach ca. 6 Stunden Kochzeit haben die Bananen die gewünschte rot-bräunliche Farbe angenommen und die Mischung kann nun in einen großen Kübel zum Gären umgefüllt werden. Für den Gärungsprozess müssen noch einmal ein paar Tage veranschlagt werden.

Während die Bananenmischung gärt, wird parallel Fingerhirse zum Keimen gebracht. Dabei wird die Hirse gewöhnlich auf einen Plastikplane verteilt. Sobald die Hirse gekeimt hat, wird sie auf der Plastikplane in der Sonne zum Trocknen ausgelegt. Zum Schluß wird die gekeimte und getrocknete Hirse zu einem Pulver gemahlen.

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Inzwischen haben sich auf der Oberfläche der flüssigen Bananenmischung weiße Blasen gebildet, ein Zeichen, daß die Mischung gegärt hat und weiterverarbeitet werden kann. Nun muß die dickflüssige Bananenmischung durch ein spezielles Sieb gefiltert werden, wobei Männer beim Umfüllen und Durchsieben zur Mithilfe gebeten werden.

Anschließend wird das Hirsemehl mit ein wenig Wasser zum Kochen gebracht bis sich ein fester Brei ergibt. Nun erfolgt der letzte Schritt zum Brauen des Mbeges, indem der Hirsebrei zu der gefilterten Bananenmischung gegeben wird. Dann wird noch ein wenig Chininhaltige Rinde des Chinarindenbaums (Cinchona) beigemischt, das dem Getränk einen leicht bitteren Beigeschmack verleiht. Das Gebräu wird noch einmal über Nacht gelagert und kann bereits am nächsten Tag verzehrt werden.

Der Alkoholgehalt beträgt am ersten Tag in der Regel zwischen 0,5 – 1,5%. Doch mit jedem weiteren Tag gärt die Mischung weiter und das Bier erhält dadurch einen höheren Alkoholgehalt. Der Geschmack ist sehr speziell: anfangs schmeckt es eher süßlich, entfaltet dann aber einen sauren Nachgeschmack. Die beigemischte Hirse verleiht dem Getränk zudem neben dem bitteren Beigeschmack auch einen Hauch von Malz.

Mbege besitzt einen hohen Stellenwert und eine besondere Bedeutung im Lebensalltag der Chagga. So wird es zu allen sozial wichtigen Anlässen gereicht, wie beispielsweise bei der Vergabe des Brautpreises, bei Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstagen sowie bei wichtigen Geschäftstreffen oder Verhandlungen. Mbege wird stets gemeinsam von einer geschlossen Runde konsumiert.

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Dabei werden in der Regel 1 – 2 Gläser Mbege von einem Gast zum anderen gereicht, bis die Gläser leer sind und nachgefüllt werden müßen. Bis heute wird Mbege traditionell hergestellt und ist überall in der Kilimanjaro Region zu finden.

Auch die waMeru, eine Ethnie am Fuße des Mt Merus, bezeichnen Mbege als Teil ihres traditionellen Kulturguts. So findet man Mbege also auch in den einzelnen Dörfern rund um den Mount zum Verkauf angeboten.