Die im Indischen Ozean gelegene tropische Insel ist für ihre paradiesischen Sandstrände, atemberaubenden Tauchgebiete, üppige Natur im Landesinneren und ihren Gewürzanbau bekannt. Erholung und Entspannung, das sind die häufigsten Anreize für einen Besuch der Insel, dessen zauberhafter Name „Sansibar“ bereits Sehnsüchte weckt.

Weniger bekannt ist häufig die über Jahrhunderte gewachsene und noch weitgehend erhaltene Altstadt im äußersten Westen der Insel: Stone Town!

In ihren Bauwerken hat sich die internationale Bedeutsamkeit dieses einst so wichtigen Handelsstützpunktes erhalten. In dem Gassengewirr zeigen sich die afrikanischen, arabischen, indischen und europäischen Einflüsse. Mächtige Palastbauten der Omanis und reich verzierte Schnitzereien an indischen Teak-Holz Türen lassen das Flair vergangener Tage unmittelbar erfahren. Sie prägen das multikulturelle und weltweit einzigartige Stadtbild, das als Solches seit dem Jahr 2000 als Welterbe bei der UNESCO gelistet und einem besonderen Schutz unterstellt ist.

Ein durch die EU-Kommission gefördertes Projekt der gemeinnützigen, italienischen Entwicklungshilfe „ACRA“ möchte die Nachhaltigkeit und die Konservierung dieses besonderen, vom Verfall bedrohten Ortes erreichen.

 

Lokale Fachkräfte werden für den Erhalt des Welterbes ausgebildet

Das seit Februar 2014 laufende Projekt bildet über 400 Handwerker/-innen für die denkmalgerechte Instandsetzung aus. Außerdem schult es über 200 Lehrer/-innen und 120 ausgewählte Studierende des Karume Instituts für Technologie im bewussteren Umgang mit dem Welterbe. Über 50 Stadtführer erhalten neben einer Sprachausbildung auch eine kunst- und architekturgeschichtliche theoretische Weiterbildung, um die Besonderheiten des Ortes an die Besucher besser vermitteln zu können.

In verschiedenen praktischen und theoretischen Kursen werden exemplarisch Konservierungen an ausgewählten Bauwerken umgesetzt. Diese können schließlich eine Orientierung für zukünftige Konservierungen und Restaurierungen in Stone Town darstellen. Langfristig soll ein Bachelor-Studiengang auf der Insel entstehen, der auch zukünftig eine Ausbildung von Fachkräften für die Konservierung von Stone Town gewährleisten soll.

 

Erste Erfolge sind bereits sichtbar: das UPENDO House

Gegenüber des bekannten Zanzibar Coffee House befindet sich das UPENDO House, eines der Bauwerke das für eine exemplarische Restaurierung im Rahmen des Projektes ausgewählt wurde.

Das im 19. Jahrhundert errichtete Haus beherbergt das Interfaith Centre das unter anderem Frauen das Nähen lehrt, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Angeschlossen ist auch ein kleiner Laden, in dem man vor Ort hergestellte Kinder- und Frauenkleidung kaufen kann.

Durch die Restaurierung ist die klassizistische Hausfassade, die bauzeitlich einen mit synthetischem Ultramarin eingefärbten Kalkanstrich und einen floralen Fries unterhalb des Dachüberhanges zeigt, wieder erfahrbar und lohnt eine Besichtigung.

In den Fortbildungskursen wurden beschädigte Bereiche des historischen Kalkputzes durch einen neuen, traditionell hergestellten Kalkputz ersetzt. Mikrobieller Bewuchs wurde entfernt und der Fries gefestigt, gereinigt und reversibel retuschiert.

Die Fassade erhielt einen neuen Anstrich mit selbst hergestellter Kalkfarbe, die natürlich erneut mit dem gleichen strahlend blauen Pigment synthetischem Ultramarin eingefärbt wurde.

Wenn Sie die Altstadt Stone Towns selbst besichtigen wollen, geht es hier los!