Der afrikanische Elefant ist das größte auf dem Land lebende Säugetier der Welt. Einige der großen Elefantenbullen können leicht 5 Tonnen und mehr auf die Waage bringen. Elefanten besitzen ein unglaubliches Erinnerungsvermögen und sind bekannt für ihre engen und tief verwurzelten, sozialen Beziehungen. In den Nationalparks von Tansania begegnet man diesen massiven Kolossen zum Teil bis auf wenige Meter. Doch trotz ihrer immensen Größe verhalten sie sich in der Regel ausgesprochen ruhig und entspannt.

So zum Beispiel auch im Tarangire Nationalpark, der ohnehin bekannt ist für seine großen Elefantenherden, die besonders ab Juli gut zu beobachten sind. Selbstverständlich lassen sich die Dickhäuter auch in fast allen anderen Parks im nördlichen Tansania und das ganze Jahr über beobachten.

Während einer Safari bin auch ich immer wieder erstaunt, wie leise sich diese Schwergewichte durch den Busch bewegen. Dass sich ein oder mehrere Elefanten nähern, kann man – wenn überhaupt – nur allein am Abbrechen einiger Äste und Zweige und eventuell am Magengrummeln des ein oder anderen Elefanten hören. Für mich ist dies bis heute ein Wunder der Natur und lässt diese mächtigen Giganten in meinen Augen ganz besonders friedvoll und friedselig erscheinen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Elefanten völlig harmlose Tiere sind. Ganz im Gegenteil, bei Bedrohung oder wenn sie sich provoziert sehen, zeigen Elefanten ihre ganze Größe und Stärke und schrecken von einer blutigen Auseinandersetzung auf Leben und Tod nicht ab. Dies gilt insbesondere, wenn sie sich selbst und besonders ihren Nachwuchs in Gefahr sehen.

Junge Elefantenbullen hingegen tendieren des Öfteren zu einem aggressiven und rüden Verhalten, um ihre Stärke zu demonstrieren und auszuprobieren. Dies lässt sich vor allem während der sogenannten Musth beobachten, die alle Elefantenbullen mehrmals in ihrem Leben durchlaufen. Der konkrete Grund für diesen Testosteron-Schub ist bis heute umstritten. Einige behaupten, dass die Elefantenbullen durch paarungsbereite Elefantenkühe angeregt werden. Andere Meinungen gehen davon aus, dass die Bullen ihre Dominanz in einer Herde von Einzelgängern durchsetzen oder behaupten wollen. Fakt ist, dass während dieser Zeit die männlichen Elefanten extrem aggressiv und leicht reizbar sind. Ob ein Elefant sich in der Musth befindet, kann man sehr gut an einem dunklen Sekret erkennen, das seitlich am Kopf ausgeschieden wird und als Temporin bezeichnet wird.

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Während der eigentlichen Brunftzeit zeigen die weiblichen Elefanten ihre Paarungsbereitschaft gegenüber bestimmten Elefantenbullen. Dabei wählt die Elefantenkuh ihren männlichen Begleiter aus, der daraufhin bestimmte Paarungsprivilegien gegenüber seinen Mitstreitern genießt.

Das Konkurrenzverhalten zwischen Elefantenbullen während der Musth ist kämpferisch höchst aufgeladen. Die Auseinandersetzungen enden nicht selten in brutalen Kämpfen und oftmals erliegt der schwächere Elefantenbulle seinen Verletzungen.

Auch ich konnte einst auf einer Safari durch den Lake Manyara Nationalpark die schwerwiegenden Folgen eines solchen Kampfes erleben.

Wir befanden uns gerade auf Pirschfahrt auf einer der Loops nahe des Sees, als wir plötzlich einen Elefanten entdeckten, der äußerst schnell davonrannte. Der Elefantenbulle befand sich einige hundert Meter vor uns und hinkte, und wir erkannten schnell, dass etwas nicht ihm stimmte. Als er versuchte, in die dickere Vegetation abzutauchen, sahen wir eine schwere und blutende Wunde am Hinterteil des Elefanten.

Wir stoppten unser Safarifahrzeug, um den Grund für die schweren Verletzungen des Elefanten zu erfahren. Doch plötzlich erschien ein weiterer Elefantenbulle, der den verletzten Elefanten anscheinend verfolgte. Als er uns in unserem Safarifahrzeug erblickte, näherte er sich unserem Fahrzeug sogleich mit großen Drohgebärden. Unser Guide schaltete daraufhin den Motor aus und uns blieb nichts anderes übrig, als mit angehaltenem Atem und in absoluter Stille abzuwarten, was nun geschehen würde. Der Elefant verstärkte seine Drohgebärden noch einmal und kam mit weit aufgeschlagenen Ohren bis auf 2 Meter an unser Fahrzeug heran, um dann nach mehreren bedrohlichen Kopf-Schütteln schnellen Schrittes davonzulaufen.

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Wir waren noch völlig aufgeregt von dieser im wahrsten Sinne des Wortes “hautnahen“ Begegnung mit diesem erregten Bullen, als ich die letzten Foto-Schnappschüsse auf meiner Kamera näher betrachtete. Beim Hineinzoomen in die einzelnen Aufnahmen erkannten wir nur, was passiert sein musste. Einer der Stoßzähne des angreifenden Elefantenbullen war komplett mit Blut verschmiert. Zudem konnten wir die typischen Merkmale für ein sich in der Musth befindenden Elefanten auf dem Kameradisplay erkennen. Wir zogen daher das Fazit, dass die beiden Bullen in einem heftigen Kampf verwickelt waren, wobei der unterlegene Bulle das Weite suchte und noch immer von dem überlegenen Elefanten verfolgt wurde.

Erst jetzt wurde uns bewusst, wie brutal diese Auseinandersetzung zwischen den beiden Elefanten von Statten gegangen sein musste. Wir informierten daraufhin die Park Rangers in der Hoffnung, dass sie nach dem schwer verwundeten Elefanten sehen.