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Geschrieben von: Juan Proll am 11. August 2021 – Zuletzt aktualisiert am 8. März 2024

Kilimandscharo, das Dach Afrikas: Welche Route hinauf zum Gipfel? Teil I Marangu & Rongai Route

Kilimandscharo Gipfel des Kibo

Er ist mit 5.895 m der höchste Berg Afrikas und das größte freistehende Vulkanmassiv der Welt – der Kilimandscharo. Majestätisch steht dieser riesige Bergkegel über der weiten Ebene und bietet malerische Aussichten auf die endlose Savanne bis hinüber nach Kenia. Vier Wege hinauf zum Gipfel und ihre Besonderheiten stelle ich euch vor. Heute: die Marangu- und Rongai-Route.

Die verschiedenen Routen nach oben führen über Grünland hinein in die artenreichen, von Colobusaffen bewohnten Wälder, hinauf in eine Heide- und Moorlandschaft bis zum Erreichen der alpinen und Gletscher-Zone. Die Spitze des Massivs, das Dach Afrikas, ist nicht nur für erfahrene Trekker*innen erreichbar. Selbst Leute wie ich, die ‚steile Pässe’ eigentlich nur mit Fußball in Verbindung bringen, haben beste Chancen, mit einer gewissen sportlichen Fitness „mal eben“ den Gipfel zu erklimmen. Und ich sage euch: Ich bin mir so dankbar, dass ich das gemacht habe …

Nahaufnahme Strohblume welche Route Kilimandscharo

Pirschfahrten im offenen Safarifahrzeug sind das A und O während einer Kilimandscharo-Tour ist gerade für unerfahrene Gipfelstürmer*innen schon deshalb eine besondere Erfahrung, weil man über den Kampf mit dem inneren Schweinehund hinaus das ganze Paket einer Berg-Expedition serviert bekommt: ein Team mit Bergführer*in sowie Koch- und Gepäckpersonal. Alles Einheimische, die den Berg kennen, um die Schwierigkeiten eines mehrtägigen Aufstiegs wissen und immer wieder mal ein motivierendes Lächeln und ein paar aufmunternde Worte parat haben. Und nette Mitreisende lernt man meist auch noch kennen.

Welche Route hinauf zum Gipfel des Kilimanjaro: Die Marangu Route

Gut ausgebaute Wege und ein ausgeglichenes Höhenprofil machen die Marangu Route die vermeintlich einfachste Strecke der vier Wege hinauf zum Gipfel. Sie wird daher auch gerne die „Touristen Route“ oder die „Coca Cola“ Route genannt. Coca Cola suggeriert als „Softdrink“, dass die Strecke gut ist für „Softies“. Diese Einschätzung zieht anscheinend sehr viele wenig vorbereitete Touristen an. Das mag wiederum einer der Gründe sein, warum diese Route von allen Routen die geringste Erfolgsquote vorweist. Vorsicht also: auch dieser Weg hat seine Tücken.

Ein weitere Grund für die geringere Erfolgsquote könnte die kürzere Akklimatisierungszeit sein, da auf dieser Route die Spitze bereits nach 5 Tagen erobert werden kann, was andere Routen erst ab dem sechsten Tag in Angriff nehmen. Dabei startet die Marangu Route nur unweit höher (bei etwas über 1860m) als zum Beispiel die 6-tägige Machame Route (ca. 1828m). Es ist daher zu empfehlen, auf dem Weg hinauf zum Gipfel noch eine zusätzliche Übernachtung einzuplanen.

Die Marangu Route ist aber nicht nur wegen seiner (irrtümlich angenommenen) Einfachheit und vermeintlichen Kürze beliebt. Sie ist auch die einzige Strecke, in der in schlichten Berghütten statt in Zelten übernachtet wird. Ideal also für diejenigen, die Zelten lieber den Kindern überlassen. Gemütlicher ist das deshalb aber nicht: Alle Hütten sind Mehrbetthütten mit 70 Schlafplätzen in den Mandara-Hütten, 148 in den Horombo-Hütten und 58 in den Kibo-Hütten. Privatsphäre – Fehlanzeige. Schnarchende Gäste – garantiert. Schlechter Schlaf – gut möglich.

Berghütten Marangu Route

Die Marangu Route ist ebenfalls die einzige Strecke, die hin und zurück auf demselben Weg erfolgt. Nur zwischen der Horombo- und der Kibo-Hütte gibt es zwei voneinander abweichende Wege. Sprecht also mit eurem Guide, hier den einen Weg nach oben und dort den anderen nach unten zu nehmen. Doch eins bleibt unvermeidlich: Bergauf schaut ihr mit eurem zunehmend erschöpften Gesichtsausdruck ständig in die glücklichen Gesichter derjenigen, die den Schmerz bereits hinter sich haben und nun geradewegs auf eine heiße Dusche und ein gemütliches Bett zusteuern. Bergab habt ihr dann das Lächeln im Gesicht und freut euch doppelt über euren Erfolg.

Landschaftlich geht es hier ein bisschen eintöniger zu als auf anderen Strecken. Schöne Aussichten bieten sich aber trotzdem. Vor allem wer die Zusatznacht bucht, hat die Möglichkeit, noch einen gemütlichen Tagesausflug zur Mawenzi-Campsite zu machen. Von hier hat man herrliche Ausblicke über den Sattel hinüber zum Kibo, einem der 7 Gipfel des Kilimandscharos.

Welche Route hinauf zum Gipfel des Kilimanjaro: Die Rongai Route

Die Rongai Route betritt den Kilimandscharo praktisch durch den Hintereingang. Die Anfahrt geht also erst einmal um den Berg herum auf seine Rückseite, nahe der kenianischen Grenze. So habt ihr mit Beginn des Aufstiegs die ersten Tage auch einen guten Ausblick auf die kenianische Hochebene. Selbst wer noch nicht in Kenia war, kann danach also fair behaupten, Kenia schon gesehen zu haben. Die Sicht reicht sogar bis zum Amboseli Nationalpark. Nur macht euch bitte keine Hoffnungen, auf diese Distanz irgendwelche Löwen zu entdecken. Dafür solltet ihr nach der Bergbesteigung lieber eine der vielen möglichen Safari-Touren nutzen.

Die Rückseite des Berges ist regenärmer. Dennoch geht es auch durch Wälder, in denen Colobusaffen zuhause sind. Außerdem erhöht die Klima-Situation die Chance, häufiger einen wolkenfreien Blick in Richtung Kibo- und Mawenzi-Gipfel zu haben.

Auf dieser Route profitiert ihr auch davon, dass sie wenig frequentiert ist. Diese Menschenleere und dazu eine Portion Glück erlauben sogar Begegnungen mit Büffeln und Antilopen. Außerdem beginnt der Aufstieg relativ flach. So kommt ihr erst einmal in Tritt, bevor es dann doch steiler wird. Letztlich müsst ihr schließlich auch auf dieser Strecke irgendwie die 5.895m hoch bis zum Dach Afrikas schaffen. Die Standard-Route geht über 6 Tage und erfüllt damit die Minimalanforderungen an eine erfolgversprechende Akklimatisierung. Und wie auf allen anderen Routen auch, beginnt die ultimative „Gipfel-Attacke“ um Mitternacht herum, wenn es dunkel und kalt ist und ihr müde seid.

Sonnenaufgang Gipfel Kilimanjaro

Erst in Gipfelnähe stoßt ihr dann schließlich auf die Menschen, die über die anderen Routen den Weg nach oben gehen. Aber im Sog der größeren Gemeinschaft zieht es euch sicher leichter auf die Spitze. Der Rückweg zum Hotel führt dann über die Marangu Route. So bekommt ihr kontinuierlich neue Eindrücke von eurer Kilimandscharo-Experience. Allerdings bedeutet dies keinen Wechsel von der Zelt- zur Hüttenübernachtung. Aber wer will auch schon nach Tagen der Abgeschiedenheit die letzte Nacht auf dem Berg in einem überfüllten Schlafsaal verbringen?

Die Besteigung des Kilimandscharos ist eine prägende Erfahrung und ein unvergessliches Erlebnis. Hoch oben auf dem Dach Afrikas hat man nicht nur den höchsten Berg Afrikas bezwungen, sondern auch den Kontinent zu Füßen liegen. Sich den besonderen körperlichen und mentalen Herausforderungen zu stellen, ist allemal lohnenswert. Wir stehen gerne für Rückfragen und Unterstützung bei der Planung deiner Kilimandscharo-Eroberung bereit. Hier vor Ort wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid. Also, melde dich bei uns! Dein Traum, unsere Expertise – Dein ganz individuelles Tansania-Erlebnis.

Autor: Juan Proll

Reisen war schon immer Juan Prolls große Leidenschaft: Drei Jahre in Lateinamerika, zwei Jahre in Südostasien und Ozeanien sowie Kurzreisen bis zu neun Monaten in Europa, Mittelamerika und Nordafrika. 2010 entschied er sich, seinen Beruf in Deutschland als Lehrer der Erwachsenenbildung und Leiter eines Kompetenzzentrums für Migrationsfragen an den Nagel zu hängen und in Südafrika Ranger zu werden. Seit 2011 ist Juan nun in Afrika unterwegs, bereiste das südliche und östliche Afrika und bestieg auch den Kilimandscharo in Tansania. Zunächst aber machte er seine Nature-Guide-Ausbildung in Südafrika und arbeitete in einem Big Five Wildreservat. Mit weiteren Ausbildungen und intensivem Selbststudium zum Cultural Guide hat Juan seitdem sein Wirkungsfeld über die Tierwelt hinaus auf Land und Leute ausgedehnt. Mitte 2013 wechselte er zu Africa-Experience und führt seitdem als Safari Guide Reisende durch Afrika. Juan ist Mitglied im Berufsverband Field Guides Association of Southern Africa.

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