Definitiv zählt der Udzungwa Mountains Nationalpark zu den eher unbekannteren Naturparks von Tansania. Ganz zu unrecht, denn die Udzungwa Mountains, die dem Nationalpark seinen Namen verleihen, sind Teil einer der ältesten Gebirgszüge in Afrika, der sogenannten Eastern Arc Mountains. Diese  länderübergreifende Bergkette erstreckt sich über eine riesige Fläche von Kenia bis nach Tansania, wobei insbesondere die Udzungwa Berge aufgrund ihrer einzigartigen Artenvielfalt hervorzuheben sind. Allein 2500 Pflanzenarten gibt es hier, von denen 25% endemisch sind. Hinzu wurden über 400 verschiedene Vogelarten gezählt sowie sechs Affenarten, von denen zwei nur hier zu finden sind und sonst nirgendwo auf der Welt exisitieren.

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Neben diesen botanischen und tierischen Höhenpunkten bietet der Park noch eine weitere landschaftliche Attraktion: die Sanje Wasserfälle, die sich auf drei Stufen über eine Gesamthöhe von 170m (!) erstrecken. Nicht zu verachten sind zwei weitere Wasserfälle mit einmal 70m und einmal 30m Höhe. Der Nationalpark ist nur zu Fuß erkundbar und bietet zahlreiche Rund- und Wanderwege unterschiedlicher Länge.

Während eines Aufenthalts im Udzungwa Mountains Nationalpark vor nicht allzu langer Zeit, stand der Besuch der Sanje Wasserfälle auf dem Programm. Schon früh am Morgen fanden wir uns am Hauptgate ein, wo unser Safarifahrer die Formalitäten für uns erledigte, während wir eine Einführung zur bevorstehenden Wanderung von unserem Trekking Guide erhielten. Schon während des Briefings erfuhren wir allerhand Informationen über den Park und seine natürlichen Besonderheiten. So gut belehrt begaben wir uns zum Startpunkt im Dorf Sanje, wo wir unsere Tagesrucksäcke aufsetzten und unsere Wanderung starteten.

Schon gleich machte sich das schwül-heiße Klima bemerkbar, obwohl es ein bedeckter Tag war. Nach einigen Stöhnen und Schnaufen erreichten wir die Parkgrenze. Dort wies ein Schild in Richtung der verschiedenen Sehenswürdigkeiten und deren Entfernungen. Unser Trekking Guide war sehr erfahren und hielt immer wieder für kleine Pausen an, um uns die unterschiedlichsten Pflanzen und Bäume zu zeigen und zu erklären.

Während wir durch den Wald wanderten, hielten wir stets die Augen und Ohren offen nach Affen. Zwar zeigte sich kein einziger Primat auf unserem Aufstieg, dennoch sahen wir unzählige Schmetterlinge und einige Geckos. Nachdem wir den ersten Aussichtspunkt erreicht hatten, wurden wie sogleich belohnt mit einem spektakulären Blick auf die Wasserfälle. Unser Guide fragte uns: „Schaut ganz genau in den Wasserfall und sagt mir, was ihr seht?“. Nach einer Weile und einigen genaueren Hinguckens erkannten wir, was genau unser Guide meinte. Eingebettet von dem rauschenden Wasser des Wasserfalls ergab sich mit etwas Fantasie der Umriss einer fast perfekten Karte von Afrika. Nach einigen „aahhs“ und „oohhs“  machten wir uns weiter auf den Weg.

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Der Weg gestaltete sich nun durch das viele Laub auf dem Boden teilweise ziemlich rutschig. Aber nach einigen Stunden gelangten wir schließlich zu der obersten Stelle des höchsten Wasserfalls. Unser Guide trieb uns jedoch schon bald weiter, versprach uns aber, daß wir auf dem Rückweg noch einmal Gelegenheit haben werden, das eindrucksvolle Panorama der mehrstufigen Wasserfälle zu genießen. So stetzten wir unseren Aufstieg weiter fort. Der etwas höhere gelegene 70m hohe Wasserfall ist ideal zum Schwimmen und eine willkommene Erfrischung nach den körperlichen Anstrengungen in der Hitze des Tages. Auch sahen wir noch den 30m hohen Wasserfall, bevor wir zum Hauptaussichtspunkt der Sanje Wasserfällen gelangten.

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Dort angekommen, genossen wir auf ein paar Felsen das wohl malerischste Mittagessen, das wir uns vorstellen konnten. Mit dem atemberaubenden Blick hinab auf das unter uns liegende Kilmobero Tal, wurde mir noch einmal bewußt, welch einzigartige Schönheit Tansania zu bieten hat. Ich hätte hier noch einige Stunden, wenn nicht Tage verweilen können. Doch die Zeit verging wie im Flug und unser Guide gab uns ein Zeichen, daß es Zeit wird, uns zum unteren Ende der 170m hohen Sanje Wasserfälle aufzumachen.

Nach einigen Steilabschnitten erreichten wir den Boden der Wasserfälle. Wow! Was für ein unglaublicher Blick! So ehrfürchtig verweilten wir noch eine Zeitlang oder machten unzählige Fotos, bis es Zeit wurde wieder zurückzukehren. Auf dem Rückweg hatten wir sogar das Glück, einen flüchtigen Blick auf eine Gruppe von Uhehe Rotkopf Guereza (auch Colobus genannt) – Affen in den Baumwipfeln zu erhaschen.

Diese besonderen Primaten sind einer der zwei endemischen Affenarten, die nur in den Udzungwa Bergen zu finden sind und nirgendwo sonst auf dieser Welt.

Insgesamt legten wir an diesem Tag ca. 8km zurück und alle Mühe und Anstrengungen waren es Wert. Ich kann jedem, der Spaß am Wandern und Trekken hat, diesen unvergesslichen Tagesausflug wärmstens empfehlen. Ein Aufenthalt in den Udzungwa Mountains Nationalpark läßt sich zudem mühelos mit dem Besuch des nahe gelegenen Mikumi Nationalparks kombinieren.