Es war an einem Tag im August als wir während einer Safari Pirschfahrten durch den Tarangire Nationalpark unternahmen. Zu dieser Zeit begegneten wir unglaublich vielen Zebras und Gnus und zudem riesigen Herden von Elefanten.

Als wir uns einem Wasserloch näherten, bemerkten wir eine ungewöhnliche Aufregung in einer Gruppe von Zebras. Interessiert an dem Grund für dieses unruhige Verhalten der Zebras, näherten wir uns den Tieren so weit wie möglich. Kurz vor dem Wasserloch sahen wir dann ein Zebra am Boden liegen, das in einem äußerst schlechten Zustand zu sein schien und um sein Leben kämpfte.

Es war schwer einzuschätzen, was der eigentliche Grund für die Leiden des Zebras wirklich war. Vom Körperbau her sah es gut genährt und gesund aus und in keinster Weise dünn oder geschwächt. Die Lage spitzte sich zu, als das Zebra plötzlich begann, Blut zu husten und zu spucken. Unser Safari Guide erklärte uns, dass das Zebra eventuell von einer giftigen Schlange gebissen worden war. Aber letzten Endes waren auch dies nur Vermutungen und wir konnten nicht mit Sicherheit sagen, was wirklich mit dem Zebra geschehen war.

Nun ergab es sich, dass eine Herde von Elefanten sich dem sterbenden Zebra näherte. Schon durch das aufgeregte Verhalten der übrigen Zebras vorgewarnt, verhielten sich auch die Elefanten äußerst vorsichtig. Dabei bildeten die älteren Tiere sofort einen Kreis um die Jungtiere, um diesen vor etwaigen Gefahren zu schützen. Nur eine ältere Leitkuh wagte es, sich dem Zebra zu nähern, um dieses eingehend zu inspizieren.

2

Die Elefantenkuh bewegte sich ganz langsam und mit weit ausgebreiteten Ohren an den Körper des Zebras heran. Und bevor wir uns versahen, begann der Elefant das sterbende Zebra anzugreifen. Erst nach einigen Angriffsversuchen, ließ die Elefantenkuh schließlich vom Zebra ab und kehrte zu ihrer Herde zurück. Nun umkreisten auch die übrigen Elefanten das Zebra und wagten schließlich am Wasserloch ihren Durst zu stillen. Zu diesem Zeitpunkt bewegte sich der Rest der Zebraherde fort, wohlwissend, dass sie nichts mehr für ihren Artgenossen und Freund tun konnten.

3

Nachdem die Elefanten ihren Durst gestillt hatten, passierten sie noch einmal an dem Körper des Zebras vorbei, das bereits in den letzten Atemzügen lag. Einige junge Elefanten, die noch immer ein ungutes Gefühl mit dieser ungewöhnlichen Erscheinung hatten, begannen erneut, das hilflose und sterbende Zebra unerbittlich zu attackieren. Nach einer Weile verloren aber auch sie das Interesse und verließen das Wasserloch.

Wir blieben noch eine Weile schweigend an diesem Ort, bis wir die ersten Geier hoch am Himmel kreisen sehen konnten, die schon ihren nächsten Leckerbissen witterten.

Sicherlich ist es bedauerlich, einen solch tragischen Moment ganz nah mitzuerleben. Zugleich wird einem wieder bewußt, wie unbarmherzig die Natur sein kann. In der afrikanischen Wildnis kämpft jedes Lebenswesen täglich ums Überleben und kann sich glücklich schätzen, wenn es am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgehen sieht, in dem Bewußtsein wieder eine Nacht überstanden zu haben und dass ein neuer Tag anbricht.