Die Maasais sind zweifelsohne einer der populärsten Volksgruppen in Tansania. Ihre nomadische Lebensweise führt sie bei Bedarf immer wieder weiter zu grüneren Weidegebieten. Auschlaggebender Grund für dieses Weiterziehen ist ihre auf Viehwirtschaft basierende Lebensgrundlage.

Die eigenen Kühe nehmen eine extreme wichtige Rolle in dem täglichen Leben der Maasais ein. In ihrem Glauben übergab Gott den Maasai alle Kühe dieser Welt, und in dem Besitz von Kühen spiegelt sich die heilige Verbindung zwischen den Menschen bzw. den Maasais und Gott wieder. Innerhalb der Maasai-Gesellschaft herrscht eine strenge soziale Hierachie, nach der jedes Individuum ihre oder seine ganz bestimmte Rolle einnimmt.

In diesem Beitrag möchte ich näher auf die Behausungen der Maasais mit ihren unterschiedlichen Funktionen innerhalb der Maasai-Kultur eingehen. Als allererstes sei angemerkt, dass die Häuser als temporäre Konstruktionen erbaut werden, da ein Aufbrechen zu neuen Weidegebieten jederzeit erfolgen kann.

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Interessanterweise beteiligen sich die Männer in keinster Weise bei der Errichtung der einzelnen Hütten. Diese Arbeit wird allein durch die Maasai-Frauen verrichtet. Die Maasai-Frauen sind sozusagen die Architekten innerhalb ihrer Volksgruppe. Ausnahmen werden gemacht bei älteren oder schwangeren Frauen, die von ihrer Pflicht des Hausbaus befreit werden. Nichtsdestotrotz lassen es sich die älteren Frauen nicht nehmen, die jüngere Generation bei der Errichtung eines guten und stabilen Hauses zu belehren.

Die benötigten Baumaterialien zum Hausbau sind rein natürlich und werden aus der umliegenden Umgebung gesammelt. Die Hütten werden gewöhnlich in einer kreis-oder ovalförmigen Struktur nebeneinander aufgebaut. Zuallererst muß der Rahmen oder das Grundgerüst für die Hütte errichtet werden. Dabei sammeln die Frauen Holzstangen zusammen, die direkt in den Boden fixiert werden. Die Holzstangen werden nun mit einem Gittergeflecht aus kleineren Ästen und Zweigen miteinander verflochten. Nun erfolgt die Verputzung des Holzgerüsts. Hierfür wird Lehm und Kuhdung mit Wasser oder selbst mit menschlichem Urin vermischt. Die Spalten in dem hölzernen Gitterwerk werden nun mit dieser Schlammmischung gefüllt. Zum Abschluß wird noch einmal mit Wasser vermengten Kuhdung nach- und ausgebessert.

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Nach dem Verputzen der Außenwände beginnen die Frauen mit der Dacharbeit. Auch hier wird wieder Kuhdung und Schlamm verwendet, die getrocknet eine wasserdichte Schicht ergeben. Darüber wird nun eine Schicht aus Gras gestreut, das ebenfalls zuvor aus der Umgebung zusammengehortet wurde.

Die Hütten an sich sind relativ klein mit nur ca. 3m x 5m Grundfläche. Auch die Höhe ist auf ca. 1,5m begrenzt. In diesen Behausungen finden ganze Familien Platz. Hier wird gekocht, geschlafen, gegessen und Geschichten ausgetauscht. Darüberhinaus dienen die Hütten als Vorratslager für Essen, Benzin und einiger ihrer Tiere. Da es keine Fenster gibt, ist es innerhalb der Hütten fast vollständig dunkel. Sonnenlicht dringt nur durch einige vereinzelte Löcher in den Außenwänden hindurch. Meist gibt es zwei Betten in den Hütten, die als Schlafstätte dienen, eines für die Eltern und eines für die Kinder. Jede Frau ist für ihre eigene Hütte und deren Instandhaltung verantwortlich. Bis zur Fertigstellung eines solchen Rundhauses können einige Tage bis zu einigen Wochen vergehen, je nachdem wie viele Helfer beim Hüttenbau unterstützen und Baumaterial vorhanden ist.

Aufgereiht zu einem Kreis ergeben die vielen kleinen Rundhütten eine Boma, die von einer dichten Wand aus scharfen und spitzen Dornengeäst eingezäunt ist. Im Zentrum der Boma wird ein weiterer Kreis aus dornigen Ästen und Zeigen errichtet. In diesem werden die großen Tierherden jeden Abend zusammengetrieben, um sie vor den Gefahren der Nacht zu schützen.