Wie sich schon vom Namen her leicht erkennen läßt, gehören die großen Weißstörche zur Familie der Störche. Ein ausgewachsener Weißstorch mißt eine Höhe von bis zu 110cm, wobei seine Spannweite bis zu 150 – 200cm erreichen kann. Der Weißstorch zeichnet sich durch sein vor allem weißes Gefieder aus, nur die Flügelspitzen sind mit schwarzen Federn bestückt. Die langen Beine und der imposante Schnabel sind hingegen rot gefärbt.

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Weißstörche sind im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen ausgesprochen ausdauernde Zugvögel, die jedes Jahr weite Distanzen von Europa bis nach Ostafrika und sogar bis nach Südafrika zurücklegen.

Die riesigen Nester der Weißstörche, die wie von Menschhand geschaffen aus Ästen und Zweigen zusammengebaut sind, erblickt man in europäischen Gefilden meist auf Dächern, Kirchen, Schornsteinen, Telefonmasten, Mauern und Türmen. In vielen Kulturen wird der Storch als Glücksbringer angesehen und so trägt dieses positive Bild wohl auch dazu bei, dass man Storchennester sogar in Großstädten sehen kann. Einige Hausbesitzer unterstützen sogar den Stroch beim Nestbau, indem sie Plattformen an ihre Häuser anbringen, die die Störche beim Nestbau helfen und anlocken sollen. Beim Nestbau sind sowohl der weibliche als auch der männliche Storch beteiligt, wobei das einmal gebaute Nest für viele Jahre immer wieder genutzt wird. Dabei wird alljährlich neues Nistmaterial zur Ausbesserung des alten Nests hinzugefügt. Aus diesem Grund erweitert sich ein bestehendes Storchennest ständig und kann zum Teil einen Durchmesser von 2-3 Meter erreichen.

Das Strochenpaar zieht gemeinsam eine Brut pro Jahr auf. Dabei legt das Weibchen in der Regel bis zu 4 Eier. Die Brutzeit beginnt sofort nachdem das erste Ei gelegt worden ist und dauert bis zu 32- 34 Tage.

Ernährungstechnisch sind diese riesigen Vögel relativ flexibel und weisen eine große Anpassungsfähigkeit auf. Zu ihrem Nahrungsangebot zählen Insekten, Frösche, Fische, kleine Nagetiere, Schlangen, Eidechsen und andere kleine Säugetiere, die der Storch vom Boden her aufstöbert. Während der jährlichen Migration kommen manchmal bis zu mehreren tausend Weißstörche zusammen, um sich an der im Überfluss vorhandenen Nahrung zu erlaben. Dies kann man besonders gut nach einem Buschbrand beobachten, wenn Weißstörche sich über die „gegrillten“ Insekten hermachen.

Die jährliche Migration findet unter normalen Bedingungen mit Beginn des Winters in Europa statt. Daher können wir hier in Tansania die Weißstörche meist von Januar bis März beobachten. Vermutlich ist diese Zeitspanne ebenfalls vorteilhaft für Störche, da zu dieser Zeit viele Farmer in Afrika ihre Felder neu bestellen. Um diese enormen Langstrecken bewältigen zu können, sind Weißstörche extrem auf thermische Luftpakete angewiesen. Mit Hilfe der aufströmenden Luft können sie die meiste Zeit gleiten und müssen nur ab und zu ein paar langsame Flügelschläge ausführen.

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Allerdings bilden sich diese thermischen Aufwinde nicht über dem Meer. Aus diesem Grund vermeiden es Störche, das Mittelmeer auf ihrem langen Weg von Europa nach Afrika zu überqueren.

So können die Störche letzten Endes nur zwischen zwei Routen wählen, um nach Afrika zu gelangen. Die östliche Route überquert dabei den Bosporus in der Türkei und verläuft entlang der Mittelmeerküste hinunter bis zum Mittleren Osten. Von hier aus folgen die Weißstörche dem Nil in südlicher Richtung. Auf der westlichen Route hingegen müssen die großen Schreitvögel das Mittelmeer bei der Meerenge von Gibraltar überfliegen. Auf dieser langen Reise von Europa nach Afrika und wieder zurück legen diese Langstreckenflieger eine Distanz von bis zu 20.000 km zurück!

Im Januar und Februar haben Sie während einer Safari die besten Chancen, diese unglaubliche Ansammlung von tausenden von Weißstörchen zu sehen, sei es in der Serengeti, im Ngorongoro Krater, im Tarangire oder im Lake Manyara Nationalpark.

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Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und beobachten sie wie diese Riesenvögel die thermischen Aufwinde nutzen, um in perfekter Synchronisation hoch am Himmel zu segeln.