Baobabs, im Deutschen auch unter der Bezeichnung Affenbrotbäume bekannt, sind für mich persönlich eine der markantesten und beeindruckensten Bäume in ganz Afrika. Bei dem Begriff „Afrikanische Wildnis“ kommen wohl jedem Afrika Enthusiasten ganz typische Bilder in den Sinn, wie weite Trockensavannen, ein flammenroter Sonnenuntergang, Wildtiere im leuchtend goldenen Gras und nicht zuletzt die einzigartigen Affenbrotbäume.
Insgesamt gibt es acht verschiedene Arten von Baobabs auf der gesamten Welt. Davon sind sechs in Madgaskar und jeweils eine Sorte in Australien und eine auf dem afrikanischen Kontinent beheimatet.

Die afrikanische Baobab-Art, die man auch in Tansania findet, heißt Adansonia Digitata und gehört zu den größten aller acht Baobab-Arten. Eine der besten Orte, diese gigantischen Riesen zu sehen, ist zweifellos der Tarangire Nationalpark im nördlichen Tansania, den ich aufgrund seiner Unmenge von Affenbrotbäumen auch gerne als „Baobab-Garten“ bezeichne. Doch nicht nur im Norden von Tansania sind diese exorbitanten Bäume zu bestaunen, sondern natürlich auch im Süden, beispielsweise im Ruaha Nationalpark.

Baobabs passen sich hervorragend an ihre Umgebung an und können lange Zeitspannen ohne Niederschläge überstehen. So sind sie fähig, noch während der Höchtsphase einer Trockenperiode bis zu 100.000 Liter Wasser in ihrem Innerem zu speichern. Dementsprechend variiert die Größe und Breite eines Baobabbaums. Denn je nach Vorhandensein von Wasser schrumpft oder dehnt sich der Baum in seiner Breite. Bei einer langanhaltenden Dürre, verbraucht der Baum mehr und mehr von seinem gespeicherten Wasser zur eigenen Flüssigkeitsversorgung, wodurch der Baumstamm zunehmend schrumpft. Hingegen dehnt sich der Baumstamm wieder, sobald ausreichend Wasser vorhanden ist und der Baum umgehend beginnt, seine Wasservorräte aufzufüllen.

Beim Anblick ihrer kolossalen Erscheinung und ihres überdimensionalen Stammdurchmessers, würde man davon ausgehen, dass Nichts und Niemand ihnen Schaden zufügen kann. Doch auch der Baobab muß einen anderen Giganten des afrikanischen Buschs fürchten, nämlich den afrikanischen Elefanten.

Dass Elefanten ausgesprochen intelligente Tiere sind, ist allgemein bekannt und so erstaunt es nicht, dass sie sehr genau über die enormen Speicherkapazitäten der Baobabbäume bescheid wissen. Besonders in der Trockenzeit, wenn überall das Wasser knapp wird, suchen Elefanten Baobabbäume auf, um ihren Durst zu stillen. Aufgrund der relativ weichen Rinde des Baobabs ist es für Elefanten sehr leicht, mit seinen Stoßzähnen eine Kerbe in diese zu bohren, um dann im wahrsten Sinne des Wortes die Rinde des Baumes zu schälen.

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Ist die Rinde, die als Schutzschild des Baumes dient, erst einmal aufgebrochen, haben die Elefanten leichten Zugang zum besten Teil des Baumes. Denn das Bauminnere gleicht einem mit Wasser voll gesogenem Schwamm. Die Elefanten reißen nun Stücke aus dem Bauminneren heraus und kauen auf dem soften und faserigen Baumfleisch, um so an die gespeicherte Flüssigkeit zu gelangen. Man kann sich diesen Vorgang ungefähr so vorstellen, als würde man in ein saftiges Stück Wassermelone reinbeißen.

Es ist immer wieder verblüffend, wie besessen und erbarmungslos sich Elefanten über einen Baobab hermachen, um an das weiche und saftige Innere des Baumes heranzukommen. Als Folge entstehen in unzähligen Baobabbäumen riesige Hohlräume, die allerdings auch eine Gefahr für die Elefanten in sich birgen. Wenn die Elefanten sich durch einen Baobab durchfressen, droht der Baum zu kollabieren. So berichten einige Artikel über Elefanten, wie diese von einstürzenden Baobabbäumen erschlagen wurden.

Lassen die Elefanten rechtzeitig von dem Baobab ab, kann dieser sich und seine Rinde regenerieren. Da der Tarangire Nationalpark besonders für seine riesigen Elefantenherden bekannt ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass dieser Park besonders viele durchbohrte oder geschälte Boababs aufweist als Folge der vielen, durstigen Elefanten.

Ich erinnere mich noch gut an eine Szene während einer Safari, bei der wir einer Elefantenherde im Tarangire begegneten, die bereits ein tiefes Loch in einen Baobabbaum gebohrt hatte.

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Als wir uns dem Baum näherten, blickte uns ein Elefantenhintern direkt aus dem Inneren des Baums entgegen. Je nach Perspektive hätte man auch meinen können, dass der Baum den Elefanten frißt und nicht umgekehrt.

Es erstaunt mich immer wieder, welche immense Kraft, Ausdauer und Beharrlichkeit Elefanten innehaben, insbesondere wenn es um das eigene Überleben geht. Dies wurde mir besonders bewußt, als ich kurze Zeit später genau dieselbe Stelle passierte. Der ehemals massive Baobab war vollkommen verschwunden.

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Denn sobald ein Baobab stirbt, verfällt er sehr schnell zu einer zerbröselnden Masse und nichts erinnert mehr an diesen monumentalen Riesen.