Wenn Sie in Tansania eine Safari machen, haben Sie vielleicht eine Checkliste mit Tieren, die Sie unbedingt sehen möchten. Auf dieser Checkliste stehen häufig die „Big Five“. Die „Big Five“ sind die Tiere, die für den Großwildjäger am schwierigsten zu erlegen sind. Diese Kategorisierung stammt aus den Jahren als das Jagen auf unserem Kontinent – leider – stark zunahm.

Heute dient die Liste der „Big Five“ glücklicherweise eher als Checkliste für Fotografen. Wer sind denn nun die glücklichen Fünf, fragen Sie? Löwe, Leopard, Afrikanischer Elefant, Büffel und das Spitzmaul- und das Breitmaulnashorn. Am schwierigsten zu entdecken ist sicherlich das Nashorn und das aus einem sehr traurigen Grund. Die Zahl der Tiere wurde auf dem gesamten afrikanischen Kontinent durch Wilderei stark dezimiert.

In Nordtansania findet man Spitzmaulnashörner im Serengeti National Park und im Ngorongoro Crater. Ein Spitzmaulnashorn in der Serengeti zu sehen, ist etwas ganz Besonderes, da hier nur noch wenige ihrer Art vorkommen. Im Ngorongoro Crater sieht die Sache hingegen etwas anders aus.

Der Ngorongoro Crater erstreckt sich über ein Gebiet von ungefähr 260 Quadratkilometern und in diesem Kessel voll Naturwunder findet man beinahe 30.000 Tiere vieler verschiedener Arten. Die meisten der großen Herden bestehen aus Gnus, Zebras, Büffeln und Gazellen. Doch auch das Spitzmaulnashorn ist hier zu Hause.

Wie viele Spitzmaulnashörner gibt es nun im Ngorongoro Crater? Niemand weiß es so genau! Oder will es nur niemand so genau sagen? Ich habe mit mehreren Rangern im Park gesprochen und jedes Mal eine andere Antwort erhalten, mal waren es fünf, mal 60. Ich denke, sie wollen die genaue Zahl nicht öffentlich machen, um diese vorzeitlichen Geschöpfe vor Wilderern zu schützen.

Auf Pirschfahrten durch den Ngorongoro Crater halten die meisten Guides Ausschau nach Nashörnern. Es gibt hier zwar noch so viele andere Tiere, aber viele Besucher sind eben darauf aus, die Big Five zu sehen und das Nashorn ist eines davon.

Ich war bereits unzählige Male im Ngorongoro Crater, muss aber zugeben, dass ich hier noch nicht sehr viele Nashörner wirklich aus der Nähe gesehen habe. Ich habe den Verdacht, dass die Nashörner wissen, dass alle auf der Suche nach ihnen sind und sie sich deshalb weit entfernt von den Straßen aufhalten.

3

Normalerweise sage ich zu meinen Gästen: Wenn Sie ein Nashorn ohne Fernglas sehen können, dann können Sie sagen, Sie haben ein Nashorn aus der Nähe gesehen.

Je nach Jahreszeit, ist es mehr oder leider weniger wahrscheinlich ein Nashorn zu sichten. Meiner Erfahrung nach ist die beste Zeit, ein Nashorn Ngorongoro Crater zu sehen, zwischen Januar und März. Es gibt Nahrung in Hülle und Fülle und es ist sonnig und heiß – genauso wie es die Nashörner lieben. In den kälteren Monaten, bleiben sie morgens oft im Verborgenen, versteckt vor dem kühlen Wind.

Dennoch habe ich eine meiner beeindruckendsten Begegnungen mit einem Nashorn im August erlebt, einem der kälteren Monate in Tansania. Wir waren auf einer Pirschfahrt unterwegs und hatten bereits am frühen Morgen ein Nashorn gesichtet. Doch beinahe 700 Meter von unserem Auto entfernt. Im Laufe des Tages hörten wir zu unserer Enttäuschung über Funk, dass ein Nashorn weit entfernt von unserem Standort gesichtet worden war. Unser Guide sagte, wir sollten uns keine Sorgen machen und mit typisch tansanischer Einstellung fügte er hinzu: „Wenn es so sein soll, werden wir unser eigenes Nashorn sehen.“

Der Tag zog ins Land und noch immer war kein Nashorn in Sicht. Schließlich lief uns die Zeit davon und wir entschieden uns, zurück zum Camp zu fahren.

Auf unserem Rückweg stand dort jedoch plötzlich ein Nashorn, ungefähr 400 Meter von unserem Auto entfernt. Wir hielten an und schauten voll Bewunderung in seine Richtung. Ein Schritt nach dem anderen kam das Nashorn näher und näher. Bevor wir uns versahen, stand es direkt vor unserem Land Cruiser.

4

Es blieb für eine Sekunde stehen, warf sich in Pose und lief weiter über die Straße.

Erstaunlicherweise waren wir die einzige Gruppe, die zur Stelle war. Es war, als hätte unser Guide das Nashorn gerufen und ihm gesagt, es solle an der Straßenseite auf uns warten.

Mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht fuhren wir zurück zur Lodge und konnten immer noch nicht ganz glauben, was wir da gerade erlebt hatten.

Erlebnisse wie diese begeistern mich immer wieder und ich verliebe mich jedes Mal aufs Neue in den Busch. Ich habe immer im Hinterkopf, dass man nie weiß, wer oder was hinter dem nächsten Busch auf einen wartet.