Klippschliefer (Procavia campensis) sind eine von vier Arten aus der Familie der Schliefer oder auch Hyracoidea genannt. Ihr Verbreitungsgebiet begrenzt sich auf Afrika und den Mittleren Osten. Klippschliefer haben auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit mit Meerschweinchen. Ein ausgewachsener Klippschliefer kann bis zu 50cm lang und bis zu 5kg schwer werden.

Ihr Körper wird von einem dichten, bräunlich-grauen Fell bedeckt, das in seiner Farbgebung je nach den natürlichen Gegebenheiten ihres Lebensraums variiert.

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Allen Schliefern gemeinsam ist eine Rückendrüse, mit deren Hilfe sie eine Duftmarke ausscheiden, die zur Markierung ihres eigenen Territoriums oder zur sozialen Kommunikation dient. Am ehesten läßt sich diese Rückendrüse bei einem dominierenden Männchen erkennen.

Wenn ich meinen Safarigästen erkläre, dass Klippschliefer nahe verwandt sind mit Elefanten, erhalte ich jedesmal dieselben erstaunten Blicke und Reaktionen als hätte ich einen Scherz gemacht. Doch die Wahrheit ist, dass beide Tierarten wirklich miteinander verwandt sind. Diese gemeinsamen und recht ungewöhnlichen Merkmale haben Schliefer nicht nur mit Elefanten gemein, sondern auch mit der Gattung der Seekühe (Dugongs und Manatis).

Um welche gemeinsame Merkmale handelt es sich nun? Zunächst besitzen männliche Schliefer ebenso wie Elefanten, Manatis und Dugongs, keinen Hodensack. Ihre Hoden befinden sich innerhalb der Bauchhöhle neben den Nieren. Weibliche Schliefer besitzen jeweils eine Zitze direkt am Oberarm genau wie Elefantenkühe. Weitere vier Zitzen befinden sich in der Leistengegend des weiblichen Schliefers. Des Weiteren weisen Schliefer zwei kontinuierlich wachsende Schneidezähne auf, ähnlich wie Elefanten zwei ständig nachwachsende Stoßzähne besitzen. Ein weiteres gemeinsames Merkmal sind die flachgedrückten Zehennägel, die wie kleine Hufe sich an der Spitze ihrer Zehen befinden. Diese Art von Hufzehe findet man sonst nicht bei anderen Säugetieren, die stattdessen mit runden Krallen ausgestattet sind.

Wie der Name Klippschliefer schon erahnen läßt, leben Klippschliefer zwischen Klippen und Felsen. In Tansania lassen sie sich gut auf und zwischen den zahlreichen Kopjes im Serengeti Nationalpark beobachten. Mit ihren kleinen Fußsohlen, die einem weichen Gummipolster gleichen und mit vielen Schweißdrüsen ausgestattet sind, verfügen sie über eine erhöhte Haftfähigkeit und sind somit bestens für dieses felsige Gebiet angepasst. Mit Leichtigkeit können sie sich flink und sicher über das felsige und steile Territorium bewegen. Selbst auf Bäumen wurden Schliefer schon bei der Suche nach Nahrung gesichtet. Üblicherweise halten sie sich aber lieber auf dem Boden auf.

Klippschliefer ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen, von denen viele sehr schwer zu verdauen sind. Zur Abhilfe besitzen Schliefer einen Drei-Kammer-Magen, in welchem mit Hilfe von symbiotischen Bakterien auch die zähesten Pflanzenreste in ihre einzelnen Bestandteile aufgespalten werden. Junge Schliefer verfügen noch nicht über diese Bakterien in ihren Mägen. Erst mit dem Verzehr der Losung ihrer erwachsenen Artgenossen können sie diese Bakterien aufnehmen und in ihren Mägen speichern.

Schliefer leben in Kolonien mit bis zu 50 Tieren zusammen und verleihen einem nicht selten den Eindruck, dass sie relativ faule Lebewesen sind. Da sie nicht fähig sind, ihre Körpertemperatur zu regulieren, verbringen sie viel Zeit mit einem gemeinsamen Sonnenbad, was sie unübersehbar vollends geniessen. Aktiv sind die Klippschliefer in Regel nur während der Morgen- und Abendstunden, sodass sie eigentlich 95% ihrer Lebenszeit inaktiv verbringen und sich zusammen mit ihren zahlreichen Artgenossen einfach nur ausruhen.

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Innerhalb einer Kolonie verfügt das dominierende Männchen nicht selten über 10 Weibchen. Das Männchen wacht genauestens sowohl über seine weiblichen Partner als auch über sein Territorium. Die Tragezeit bei Klippschliefern beträgt zwischen sechs bis sieben Monate, was für solch kleine Tiere relativ lang ist. Ein Wurf besteht meist aus vier Jungen, die schon mit weit geöffneten Augen zur Welt kommen. Nach ca. zwei Wochen sind die Jungen bereits in der Lage feste Stoffe zu verzehren und spätestens nach 16 Wochen sind sie abgestillt. Die männlichen Jungtiere werden nun vom dominierenden, männlichen Elternteil aus der Gruppe vertrieben.

Auffallend ist, dass Klippschliefer bis zu 20 verschiedene Laute von sich geben können. Diese dienen der gemeinsamen Kommunikation und vor allem zur gegenseitigen Warnung vor einer drohenden Gefahr.

Um Klippschliefer selber einmal aus nächster Nähe beobachten zu können, halten Sie während Ihrer Safari in der Serengeti am Besucherzentrum in der Seronera. Dort halten sich immer größere Kolonien dieser possierlichen Kreaturen auf.