Auch neulich hatte ich wieder einmal die Gelegenheit, ausgezeichnete Tierbeobachtungen in der Serengeti zu machen. Einer dieser fantastischen Höhepunkte war eine immens große Herde von Zebras, die wir in einem verborgenen Tal im südlichen Teil des Parks entdeckten.

Wir waren bereits für mehrere Stunden durch eine endlos erscheinende Ebene gefahren ohne dabei Tiere erblicken zu können. Entsprechend zeigten sich meine Kunden immer ungeduldiger, und trotz meiner Erklärungsversuche, daß dies nun einmal Mutter Natur ist, in der sich die Wildtiere frei bewegen können und sich nicht auf Bestellung an einem bestimmten Ort aufhalten, steigerte sich der Erwartungsdruck zunehmend.

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So fuhren wir weiter durch die endlose Ebene als wir ganz weit am Horizont riesige Staubwolken ausmachen konnten. Aus der Entfernung konnten wir den Grund für die gen Himmel aufsteigenden Staubwolken nicht erkennen, also fuhren wir mit unseren gut ausgerüsteten Safarifahrzeugen näher an das Geschehen. Schon bald konnten wir ein verborgenes Tal ausmachen, das wie ein ausgetrocknetes Flußbett aussah, von welchem sich weitere Flußläufe aus abzweigten. Hier tummelte sich eine ungewöhnlich große Herde von Zebras mit hunderten wenn nicht tausend Tieren, die sich dicht an dicht an die letzten noch Wasserführenden Stellen drängelten.

Offensichtlich hielt sich die Zebraherde nicht für längere Zeit an diesem Ort auf, sondern bewegte sich in Richtung Westen. Nicht weit entfernt von der Herde, entdeckten wir eine Löwin, die bereits erfolgreich eines der Zebras erlegen konnte. Erstaunlicherweise war kein einziger Geier am Himmel zu sehen und so stellte die Löwin keinen Anstalten an, ihre Beute an einem anderen Ort zu verstecken, so wie es normalerweise Raubkatzen tun, um ihre Jagdbeute vor anderen Fleisch- und Aasfressern zu schützen.

Ganz anders verhielten sich hingegen die Zebras, die nervös und aufgeregt hin- und her galoppierten. Ich war so gebannt von diesem wilden Treiben und dem ohrenbetäubenden Geräuschpegel der unzähligen Zebras, das ich noch Stunden dort hätte verbringen können, um deren soziales Verhalten und ihre Kommunikation zu studieren.

An einem der größeren Seen konnten wir wahrlich mitfühlen, wie sehr die Zebras versuchten, ihren Durst zu stillen während die afrikanische Sonne gnadenlos auf ihre Rücken herunterbrannte.

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Es war recht erquickend zu beobachten, wie letztendlich jedes einzelne Zebra sich ins kühle Nass heranwagte. Statt eine geordnete Reihe entlang des Ufers zu bilden, begab sich die gesamte Herde bis zum Bauch in den See, um erst dann zu trinken. Dies dient sicherlich auch der Kühlung ihrer eigenen Körpertemperatur.

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Wie fast alle Tiere legten auch die Zebras die typische Paranoia an den Tag, sobald sie sich an die Wasserkante heranwagten. Schon die kleinste Berührung durch eine Schwanzspitze eines anderen Tieres reichte aus, um die ganze Herde in Panik zu versetzen und sich zurückzuziehen. Dies wiederholte sich unzählige Male, dennoch kehrten die Zebras immer wieder zum Trinken an das Ufer zurück.

So verbrachten wir gut eine Stunde beim Beobachten der unzähligen Zebras in ihrem eigenwilligen und manchmal ulkigen Verhalten. Zugleich wurde mir noch einmal bewußt, wie gnadenlos und hart der afrikanische Busch sein kann und was diese Wildtiere aushalten müssen, um in dieser rauhen Natur zu überleben.