Kürzlich unternahmen wir einen kulturellen Ausflug zu den Wa-Arusha am Fuße des Mt. Merus, um mehr über diese Volksgruppe und deren traditionelle Lebensweise zu erfahren. Zunächst seien hier ein paar historische Fakten über diese Ethnie vorangestellt. Die Wa-Arusha entstammen ursprünglich der Ethnie der Pare. Seit den 1830er Jahren siedelten die Wa-Arusha in das jetzige Gebiet der Stadt Arusha, insbesondere rund um das Stadtgebiet Selian.
Zu dieser Zeit war diese Region vor allem von Maasais bewohnt. Durch das räumliche Zusammenleben adaptierten die Wa-Arusha viele traditionellen Lebensweisen von den Maasais. Doch bis heute sind die kukturellen Differenzen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen sichtbar. Zwar sprechen die Wa-Arusha dieselbe Sprache wie die Maasai, jedoch betreiben die Wa-Arusha Ackerbau während die Maasai Viehhirten sind.

Die Wa-Arusha behaupten stolz von sich produktive Farmer zu sein, auch wenn sie dasselbe Stück Land seit Generationen immer wieder bestellen und bearbeiten. Gleichwohl gelingt es ihnen, den Ackerboden durch eine regenerative Landwirtschaft und der Erhaltung der natürlichen Ressourcen weiterhin fruchtbar zu halten.

Zurück zu unserem kulturellen Ausflug, der nur ca. 10 km östlich vom Stadtzentrum Arushas stattfand. Auffallend war, dass wir trotz der Nähe zum dichten Stadtsiedlungsgebiet noch zahlreiche traditionelle Häuser der Wa-Arusha sehen konnten. Nichtsdestotrotz hoffen auch die Wa-Arusha es sich irgendwann einmal leisten zu können, in einem modernen Haus zu wohnen. Auch wenn sich für viele dieser Traum schon erfüllt hat, waren wir dennoch angetan von den zahlreichen Familien, die ihre traditionelle Lebensweise auch in unserem heutigen modernen Zeitalter nicht aufgeben wollen.

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In ihrer Bauart weisen die Häuser der Wa-Arusha viele Ähnlichkeiten mit denen der Maasais auf. Als wesentliche Baumaterialien dienen Lehm, Kuhdung, Äste und Baumstämme. Die Dächer haben sich im Laufe der Zeit gewandelt und bestehen bei den Wa-Arusha heutzutage aus Blechplatten, während die Maasais zum Teil immer noch Gras verwenden. Bei der Raumaufteilung und der Gestaltung der Häuser unterscheiden sich die Häuser der Wa-Arusha von denen der Maasai. So lebt der Ehemann in einem eckigen Haus, während die Ehefrauen in runden Häusern wohnen. An der Zahl der Rundhäuser läßt sich daher schnell abzählen, wieviele Ehefrauen ein Mann besitzt. Die Kinder leben im Haus der Mutter, da es ihnen nicht erlaubt ist, mit ihrem Vater zusammen zu leben. Wenn die Jungen die Pubertät durchlaufen haben, müssen sie aus dem Haus der Mutter ausziehen. Oftmals bauen sie dann ihr eigenes Haus neben das ihres Vaters oder sie verlassen ihr „Elternhaus“ und errichten an einem neuen Ort ihre eigenen „Bomas“.

Haus- und Nutztiere, wie Kühe, Schafe, Ziegen und Esel, leben ebenfalls in den Häusern der Wa-Arusha, zumindest während der Nacht, wenn die Frauen die Tiere in ihre Rundhäuser treiben, um sie vor den nächtlichen Gefahren zu schützen. Während des Tages werden alle Tiere zum Grasen im Freien gehalten.

In den polygamen Beziehungen sind Eifersüchteleien zwischen den einzelnen Ehefrauen nicht auszuschließen. Dennoch scheint das Zusammenleben auf den ersten Blick harmonisch zu sein. So bereiten alle Frauen zusammen das Essen für den Ehemann vor, wobei jede einzelne ein eigenes Gericht kocht, das im Hause des Ehemannes gegessen wird. Von unserem örtlichen Guide, der uns auf unser Tour begleitete, erfuhren wir, dass die Kinder nicht mitbekommen sollen, wenn ihre Mutter in das Haus ihres Vaters wechselt. Daher muß die Ehefrau warten, bis die Kinder eingeschlafen sind, bevor sie sich in das Haus ihres Ehemannes begeben darf. Welche Ehefrau die Nacht in dem Haus des Ehemannes verbringt, entscheidet ganz allein der Ehemann.

Schließlich durften wir eines der Rundhäuser besichtigen. Beim Eintritt erschlägt einem sofort der beißende Rauch der Feuerstelle ins Gesicht, die gleichzeitig auch Kochstelle ist. Die Häuser besitzen keine Fenster, wodurch es im Inneren vollständig dunkel ist. Es dauert eine Weile, bis sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Die Küche befindet sich im Mittelpunkt der Hütte, in der nachts auch die Tiere gehalten werden.

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An den Seiten befinden sich Schlafplätze und einige Regale, in denen Bananen zum Reifen gelagert werden. Nach kurzer Zeit mußte ich die Hütte wieder verlassen, da der beißende Rauch zu sehr in meinen Augen brannte und ich nach frischer Luft rang.

Ungeachtet dessen, war ich beeindruckt sowohl von der Reinlichkeit innerhalb der Hütten als auch von der makellosen Verarbeitung der Außenwände der Häuser. Im Unterschied zu den Maasai Bomas, sind die Häuser der Wa-Arusha weitaus geräumiger und hinterließen bei mir einen stabileren Eindruck.