Tansania ist bekannt für  seine überwältigende Anzahl von Tieren. Aber achten Sie auf Ihrer nächsten Safari  einmal auf die vielfältige Vegetation, besonders auf die große Vielfalt der Bäume. In Tansania gibt es mehrere hundert verschiedene Arten von Bäumen,  allerdings möchte ich in dem heutigen Beitrag eine ganz besondere Baumart hervorheben: die Akazie. Allein Ostafrika weist rund 62 verschiedene Spezies von Akazienbäumen auf, von denen sechs nur in Tansania vorkommen und damit endemisch sind. Akazien können sowohl als Bäume als auch als Büsche gedeihen. Die wohl am bekanntesten und wohl am häufigsten auf einer Safari zu sehenden Arten sind die Schirmakazie, die Flötenakazie, die Schwarzdornakazie und die Fieberakazie.

Die Schirmakazie besitzt fast schon Symbolcharakter für den Afrikanischen Busch und wird stets als der typische Baum Afrikas abgelichtet. Fragen Sie sich selbst, an welchen Baum Sie zuerst denken, wenn Sie den Begriff Afrikanische Wildnis hören. Ziemlich wahrscheinlich wird auch Ihnen die unvergleichliche Schirmakazie in den Sinn kommen, meist als alleinstehender Baum umrahmt von einem atemberaubenden, rotgetünchten Sonnenuntergang.

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Der Serengeti Nationalpark ist ein Naturschutzgebiet, das mehrere tausend Quadratkilometer umfasst, und eine Vielzahl von unterschiedlichen Akazienarten beheimatet. Diese Familie der Akazienbäume ist äußerst beeindruckend schon allein aufgrund der Anpassungsfähigheit an ihre jeweilige Umgebung, die meist sehr karg und trocken ist. Auch wenn sich die einzelnen Akazienarten in ihren Eigenschaften untereinander unterscheiden, so haben sie doch ein prägendes Merkmal gemeinsam: der Einsatz von Dornen als Schutzmechanismus.

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Wohl auch deshalb werden Akazien häufig den Dornenbäumen zugeschrieben. EinigeAkazien haben lange und gerade Dornen während andere die Form von Widerhaken besitzen. Das Hauptziel der Dornen dient der Abwehr gegen Tiere, die sich vor allem von Blättern und Früchten ernähren. Dennoch ist es wisshenschaftlich erwiesen, daß bestimmte Pflanzenfresser, wie beispielsweise die Giraffe, trotz der Dornen die Blättern erreichen und abfressen können. Die Dornen können also die Akazie nicht vollkommen vor dem  Abfressen ihrer Blätter  und Früchte schützen, jedoch begrenzen sie den Schaden und vermeiden zumindest ein „Übergrasen“.

Ein weiterer, interessanter Abwehrmechanismus einiger Akazienbäume ist, die Fähigkeit ein Gift auszuströmen,  sobald  ein Pflanzenfresser versucht, Blätter von den Zweigen abzurupfen. Dabei  steigert die Akazie den Gehalt von Tannin, ein pflanzlicher Gerbstoff, in ihren Blättern und macht sie damit ungenießbar. Bei übermäßigen Verzehr kann dies sogar tödlich wirken. Dadurch sind die blätterfressenden Tiere gezwungen, nach unverdorbenen Blättern an anderen Bäumen zu suchen und weiterzuziehen.

Der südafrikanische Zoologe, Wouter Van Hoven, machte darüber hinaus eine ganz besondere Entdeckung bezüglich des Abwehrsystems von Akazien, nämlich durch die Verbreitung einer chemischen Substanz, genannt Äthylen.  Bei Gefahr strömt die Akazie diesen Dufstoff aus, der sich bis zu 45m verbreiten und somit andere Akazienbäume in der nähren Umgebung „warnen“ kann. Innerhalb von nur 15 Minuten steigern die benachbarten Akazienbäume ebenfalls den Tanningehalt in ihren Blättern, um sich so vor den Blattfressern zu schützen.

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Neben dieser verblüffenden Kommunikationsfähighkeit untereinander verfügen einige Akazien hinzu über sogenannte „Leibwächter“. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die Flötenakazie, deren Dorne am unteren Ende mit Hohlräumen versehen sind. Diese Hohlräume, die sich direkt am Ast befinden, bieten Ameisen Schutz und Lebensraum. Zudem versorgt die Flötenakazie die Ameisen mit Nektar. Als Gegenleistung verteidigen die Ameisen die Akazie gegen jeglichen Pflanzenfresser, der versucht die Blätter abzufressen.

Wenn Sie also das nächste Mal einen Akazienbaum sehen, behalten Sie alle diese erstaunlichen Schutzmechanismen im Hinterkopf, die die Akazie zu einem ganz besonderen und äußerst klugen Baum macht.