Zu den am weitesten verbreiteten Raubtieren in ganz Ostafrika zählen zweifelslos die Tüpfelhyänen. Der Ngorongoro Krater im nördlichen Tansania stellt dabei nur ein Gebiet dar, in welchem sich große Gruppen von Hyänen aufhalten. Die Zahl der dort lebenden Hyänen übersteigt dabei um einiges die Zahl der im selben Gebiet residierenden Löwen. Nach den aktuellsten Aussagen von Wissenschaftlern des Hyänen Forschungsprojekts im Ngorongoro Krater leben momentan acht Gruppen von Hyänen permanent im Krater.
Diese auch als Clans bezeichneten Gruppierungen aus zumeist verwandtschaftlichen Beziehungen, bestehen aus zwischen 39 bis zu 95 Tieren. Damit beheimatet allein der Ngorongoro Krater ca. 450 Hyänen, die sich dort dauerhaft aufhalten.

Noch immer herrscht das trügerische Bild vor, dass Hyänen reine Aasfresser sind. Hyänen sind aber ganz im Gegenteil äußerst gut organisierte und damit sehr erfolgreiche Jäger. Aufgrund ihrer erstaunlichen Ausdauer sind Hyänen in der Lage, auch große Tiere, wie Büffel, oder gute Sprinter, wie die Thomson Gazelle, zu erbeuten.

Unter den acht permanent im Krater lebenden Clans herrscht eine ausgesprochen harsche und gnadenlose Konkurrenz. Dies liegt zum einen an dem begrenzten Lebensraum innerhalb des Kraters als auch an der Abwesenheit von Feinden, in erster Linie Löwen. Löwen gelten als Hauptfeind und Haupttodesursache von Hyänen. Die körperliche Überlegenheit gegenüber Hyänen wird insbesondere bei einem ausgewachsenen, männlichen Löwen deutlich, der das Lebendgewicht einer Hyäne um das dreifache übertrifft. Ein einziger Prankenschlag eines Löwen bedeutet meist den sicheren Tod für die Hyäne.

Neben dem allgemein vorherrschenden Irrtum, Hyänen seien reine Aasfresser, dominiert ein weiteres Vorurteil das Bild der Hyäne. Dieses beschreibt die Hyäne als feiges Raubtier, das anderen Fleischfressern deren Jagdbeute streitig macht. Auch dies muss nach den neuesten Forschungen revidiert werden, da oftmals das Gegenteil der Fall ist, und Löwen sich über die Beute der Hyänen hermachen.

Auf einer Safari im Ngorongoro Krater konnte ich einst mit eigenen Augen beobachten, wie eine Raubtierart der anderen ihre Beute abtrünnig machte.

Dabei war ein Gnu von einem Rudel Löwen erlegt worden. Doch nur kurze Zeit später wurden die Löwen von einem riesigen Clan von Hyänen verjagt, die die Beute übernahmen. Es war mir nicht möglich, die genaue Zahl der Hyänen auszumachen, aber ich erinnere mich, um die 100 Hyänen gezählt zu haben!

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Es war ein unglaubliches Spektakel sowohl für die Augen als auch für die Ohren, wenn diese kampfeslustigen Raubtiere unerbittlich um dieselbe Beute ringen. Die Hyänen kamen aus allen Richtungen her gestürmt, um die Beute an sich zu reißen. Der Tierkadaver war kaum auszumachen zwischen all den scharfen Krallen und fletschenden Zähnen. Jede einzelne Hyäne versuchte ihr Glück, ein Stück des Gnus zu ergattern, egal wie groß oder klein es war. Im gesamten Ngorongro Krater waren das typische Lachen und die charakteristischen „Wuup“ Laute der Hyänen zu hören.

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Die Hyänen, die bereits ihren Hunger gestillt hatten, beobachteten vom Rande aus die Kämpfe der eigenen Artgenossen, die noch um ihren Beuteanteil beharrlich stritten. Einer Hyäne gelang es, den Schwanz des erlegten Gnus an sich zu reißen und rannte mit dem Beutestück stolz aus dem Gewirr davon, um jedoch sogleich von anderen Widersachern verfolgt zu werden. Wir beobachteten noch eine Weile dieses beeindruckende Schauspiel und konnten minutiös mitansehen, wie der Tierkadaver im wahrsten Sinne des Wortes von der Erdoberfläche verschwand.