Es ist kein Geheimnis, dass Löwen und Hyänen bis aufs Blut verfeindet sind. Denn der Wettstreit um Nahrung und Territorium im Busch ist hart umkämpft. Umso weniger erstaunt es, dass ein Rudel Löwen stets die Gelegenheit ergreift, eine Hyäne zu töten, auch wenn keinerlei Notwendigkeit hierfür besteht. Und genauso würde wohl auch ein zahlenmäßig überlegener Clan von Hyänen mit einem einzelnen Löwen verfahren.

Wenn es ums Fressen geht, verfolgen Löwen eine strikte Hierarchieordnung, die bestimmt, wer zuerst von dem erlegten Beutetier fressen darf. Nicht selten sind es die Löwinnen, die die harte Arbeit der Jagd vollstreckt haben, nur um sich dann den überlegenen Löwenmännchen unterzuordnen, die sich sogleich die besten Stücke sichern. Erst nachdem die Löwenmännchen vollends gesättigt sind, überlassen sie die Beute dem Rest des schon hungrig wartenden Löwenrudel. Ganz zum Schluss, wenn auch das Löwenrudel von dem Kadaver abgelassen hat, kommen die Aasfresser zum Zug, um die letzten Überbleibsel des Tierkadavers zu ergattern.

Geier und andere Raubvögel, die Beute am Boden erspäht haben, machen mit ihrem typischen Kreisflügen unbewusst auf sich aufmerksam und geben so den am Boden lebenden Aasfressern die entscheidenden Informationen, wo ein erlegtes Tier zu erwarten ist. Hyänen als auch Schakale machen sich diesem Verhalten der Geier gänzlich zu Nutze, um potentielle Beute aufzuspüren.

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Trotz ihrer Größe und ihrer kräftemäßigen Überlegenheit, bleibt es selbst Löwen oftmals verwehrt, ihre erlegte Beute in ungestörter Ruhe genießen zu können. Der Grund hierfür liegt in den lästigen Attacken der umherstöbernden Aasfresser, die versuchen, ein Stück des erlegten Tieres zu erlangen. Diese Attacken können so penetrant werden, dass selbst ein übermächtiger Löwe seine Beute aufgibt und sie genervt den Aasfressern überlässt. Dieses Schicksal trifft nicht nur Löwen, sondern ebenso Leoparden und Geparden. Jedoch hat der Leopard einen entscheidenden Vorteil gegenüber den beiden anderen Raubkatzen, indem er seine Beute auf einen Baum hochzerren kann, um sie so vor aufdringlichen Aasfressern zu sichern.

Ich selbst habe auf einer Safari ein solche Pattsituation zwischen vier jungen Löwenmännchen und einer Schar Hyänen miterleben dürfen. Als wir uns der Szene näherten, sahen wir, wie zwei der vier Löwenmännchen sich über einen erlegten Kaffernbüffel hermachten.

Doch aus dem Hintergrund wagten sich bereits eine Hyäne nach der anderen an den erlegten Büffel heran. Ein wenig abseits des Tierkadavers konnten wir beobachten, wie ein Löwenmännchen sich wiederum unbemerkt an die Hyänen heranpirschte, die zunehmend nervöser wurden, je näher sie sich näherten. Mittlerweile befanden sich die drei jungen Löwen am Riss während rund sieben Hyänen sich stetig den Löwen näherten.

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Nun plötzlich tauchte der vierte Löwe wie aus dem Nichts auf und die hungrigen Hyänen waren noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie die Gefahr hinter sich wahrnehmen konnten. Und ehe wir uns versahen, griff der Löwe sie direkt an. Mit viel Glück konnten die Hyänen dem angreifenden Löwen entfliehen. Die Löwen verhielten sich nun weitaus gereizter und immer wieder attackierten sie die Hyänen, um sie auf Abstand zu halten. In der Zwischenzeit hatte sich ein Schabrackenschakal an dem Kadaver eingefunden, dem es die Löwen gestatten, nur ein par Zentimeter von ihnen entfernt vom Tierkadaver zu fressen. Die Gunst der Löwen gegenüber dem Schakal erregte die Hyänen umso mehr und so fokussierten sie ihre Attacken nun auf den kleinen Schakal, der sich am Rande mit ein paar Kadaverresten begnügt hatte. Unerbittlich attackierten sie den unterlegenen Schakal, bis dieser sich entschied, den Ort zu verlassen.

Nach einer Weile konnten wir beobachten, wie zunehmend mehr Hyänen sich an den Büffelkadaver heranschlichen, wodurch die Überlegenheit der Löwen steig abnahm. Wir warteten mit Spannung, wie diese Pattsituation zwischen den Löwen und Hyänen sich weiter entwickeln würde. Schließlich hatten die jungen Löwen ihre hungrigen Mägen gefüllt und überließen den Kadaver in der Überzahl lauernden Hyänen. Für die Hyänen glich dies einem Festschmaus, hatten die vier jungen Löwen nur etwa ein Viertel des Büffels verspeist. Später hörten wir über Funk, dass sich bis zu 60 Hyänen über den Resten des Tierkadavers hermachten, und es dauerte nur weniger als eine Stunde bis von dem riesigen Büffel nichts als ein paar Knochen übriggeblieben war.