Nur ca. 5 Stunden benötigt der Non-Stop Flug der Kulula von Johannesburg nach Dar es Salaam, wobei diese kleine Airline nur eine von vielen ist, die eine schnelle und direkte Verbindung von der größten Stadt Südafrikas in die Küstenmetrople Tansanias bieten.

Mit seinen geschätzten 3- 4 Mio Einwohnern und dem größten Handels-, Verwaltungs- und Industriezentrums des Landes, gilt Dar es Salaam zur Recht als eigentliche Hauptstadt Tansanias. Hier beginnt meine gut zweiwöchige Reise, die ich zusammen mit meinem Kollegen Stephan Schuff unternommen habe. Nicht selten habe ich bei der Erkundung des Stadtzentrums auf eigene Faust und per Taxi im turbulenten und quirligen Treiben der oftmals vom Berufsverkehr verstopften Straßen die Orientierung verloren. Hinzu kommt das stets heiße und schwüle Klima, das in Dar es Salaam das ganze Jahr über vorherrscht. Dementsprechend konnte ich es kaum erwarten, dass unser Fahrer Lazaro aus Arusha uns vom Hotel abholte und unsere Safari in die noch wenig besuchten Nationalparks und Schutzgebiete des südlichen Tanzanias endlich losgehen konnte.

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Unser erstes Ziel ist der Udzungwa Nationalpark, den wir nach ca. 4-5 Stunden erreichen. Auf dem Weg dorthin passieren wir auf zunächst gut geteerter Strasse Morogoro und die Uluguru Mountains. Die Morogoro Region mit den umliegenden Gebirgsketten gilt als eines der fruchtbarsten Gebiete Tansanias und versorgt Dar es Salam und weite Küstenabschnitte fast vollständig mit landwirtschaftlichen Produkten.

Schon bald danach machen uns Schilder am Straßenrand darauf aufmerksam, dass wir den Mikumi Nationalpark durchqueren.

Der TAN ZAM Highway ist die wichtigste Verbindung zwischen Dar es Salaam und dem Süden des Landes und durchquert den Mikumi Nationalpark. Damit ist er leider auch Hauptursache für zahlreiche tödliche Verkehrsunfälle mit Wildtieren. Dies scheinen auch ein nächtliches Busfahrverbot und die unzähligen Road Bumps nicht verhindern zu können, die die Geschwindigkeit der Busse und LKWs drosseln sollen.

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An der Wegkreuzung in der gleichnamigen Stadt Mikumi biegen wir links ab und erreichen nach ca. einer Stunde auf einer 25km langen Holperpiste den Hondo Hondo Campsite außerhalb des Nationalparks. Wir übernachten in einfachen und rustikalen Mud Huts, die ganz den Unterkünften der lokalen Bevölkerung nachgeahmt sind. Am nächsten Morgen genießen wir den Ausblick auf die grüne Umgebung und die beeindruckenden, bis auf über 2000m hochragenden Gebirgswände, die von dichtem Regenwald überzogen sind. Durch den Udzungwa Nationalpark lassen sich geführte Wanderungen unternehmen, unter anderem zu den Sanje Wasserfällen, die an ihrer höchsten Stelle bis zu 70m in die Tiefe stürzen. Bekannt ist der Park für seine verschiedene Primatenarten, darunter der Red Clobus Monkey. Vor allem aber für Vogelinteressierte ist der Udzungwa Nationalpark reizvoll, der mit über 250 Vogelarten einer der artenreichsten Lebensräume für Waldvögel in Ostafrika ist.

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Am nächsten Morgen starten wir sehr früh, da uns eine lange Fahrt bis zum Ruaha Nationalpark bevorsteht.

Durch eine wunderschöne Hügellandschaft führt uns der TAN ZAM Highway entlang des Great Ruaha Rivers, an dessen Ufern sich unendlich viele Baobab Bäume aneinander reihen. Nicht umsonst wird dieser Abschnitt auch als Baobab Valley bezeichnet. Nach ca. 6 Stunden Fahrt legen wir einen Zwischenstopp in Iringa ein und folgen dann dem Abzweig zum Ruaha Nationalpark, dessen Eingangstor wir auf sandiger Piste in ca. 2 Stunden erreichen. Die Zeit wird knapp, denn alle Fahrzeuge mit Touristen müssen sich um spätestens 18.30 Uhr an ihrem Übernachtungsort befinden. Unser Camp für diese Nacht liegt am äußersten westlichen Ende des Parks, für die Fahrt benötigen wir noch einmal gut 1,5 Stunden. Schon auf diesem ersten, leider etwas gehetzten Game Drive sehen wir Elefanten mit Jungtieren, Nilpferde, Schakale, Antilopen, Giraffen, Zebras, eine Familie von Waranen sowie Wasserböcke und vieles mehr.

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Endlich angekommen werden wir schon ungeduldig von Moule & Noel vom Jongomero Camp erwartet. Die beiden äußerst liebenswerten Lodgemanager geben diesem exklusiven und eigentlich als reines Fly-In Camp genutzten Tented Camp eine ganz persönliche Note. Das mit Kerzenlicht arrangierte Dinner im ausgetrockneten Flussbett ist nur eines von vielen kleinen Details, die dieses Camp so besonders machen. Ein Rudel Löwen ist im Hintergrund zu hören und für einen kurzen Moment herrscht ein wenig Aufregung, da uns noch einige Stufen von unserem dekorativ gedeckten Tisch im Flussbett hinauf zum Camp trennen und wir das köstlich gegrillte Lammfleisch auf gar keinen Fall mit anderen Wildtieren der Nacht teilen wollen. Letztendlich war es ein unvergesslicher Abend unter klarem Sternenhimmel.

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Am folgenden Tag erkunden wir den vielseitigen Park, in dessen Landschaftsbild sich dichter Buschwald mit offenen Grassavannen und Flusslandschaften abwechselt. Der Park wird längsseits von der ca. 200m hohen Felswand des Ruaha Rifts durchzogen und trennt den kleineren südlichen Teil vom größeren und dicht bewaldeten nördlichen Teil. Obwohl das gesamte Gebiet sehr trocken und der Great Ruaha River an vielen Stellen ausgetrocknet und versandet ist, bietet er einer Vielzahl von Tieren einen ständigen Lebensraum. Vor allem in der lang anhaltenden Trockenzeit konzentrieren sich mehr und mehr Tiere an den Flussläufen, insbesondere am späten Nachmittag, wenn die sengende Mittagshitze sich abgekühlt hat. Wir nutzen diese Gelegenheit und parken unser Safarifahrzeug direkt am Flussufer unter schattenspendenden Baobab Bäumen und schon nach kurzer Zeit nähern sich Impala, Zebra und andere Antilopen unserem Safarijeep, um zum Wasser zu gelangen. Dabei passiert uns auch eine Gruppe Elefanten, darunter ein riesiger Elefantenbulle, die sich eventuell auch von den würzigen Düften unseres Lunchpakets angezogen fühlen. Immer wieder halten wir an, um die wunderschönen Ausblicke auf die teils felsige, teils sandige Flusslandschaft in der Nachmittagssonne zu genießen.

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Große Elefantenherden genehmigen sich ein wohltuendes Schlammbad und vor allem die kleineren Dickhäuter scheinen viel Spaß dabei zu haben – und wir natürlich auch.

Ebenso lassen sich Nilpferde und Büffel sowie eine Vielzahl von Wasservögeln am Fluss beobachten.

Darüber hinauss stellt der Ruaha Nationalpark eine natürliche Grenze zwischen der Flora und Fauna des südlichen und des östlichen Afrikas dar. Dadurch beheimatet der Park einige Tierarten, die in den nördlichen Parks nicht vorkommen, unter anderem den Greater und Lesser Kudu sowie die Säbel-, Pferde- und Rappenantilope. Eine weitere Besonderheit des Parks ist, dass man nur ganz selten anderen Fahrzeugen begegnet und so das Gefühl bekommt, den ganzen Park für sich alleine zu haben.

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Wir verbringen die folgende Nacht im Tandala Camp, das außerhalb des Parks, ca. 10 km vom Parkgate entfernt, liegt. Dies bedeutet aber keinerlei Abstriche, denn das Camp ist wunderschön in die wilde Umgebung integriert und mit etwas Glück lassen sich Elefanten und selbst die scheuen Nyalas direkt von der eigenen Zeltveranda aus beobachten. Das familienfreundliche Tandala Camp wird seit langem von einer Familie griechischen Ursprungs betrieben und die herzlichen Besitzer, John und Dionysia, zusammen mit ihrer kleinen Tochter, kümmern sich rührend um ihre Gäste. Ein Openair- Abendessen am Masaifeuer und ein Drink in der stilvollen und offenen Lounge mit schweren Ledersesseln runden diesen erlebnisreichen Safaritag ab.

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Noch einmal durchfahren wir den Ruaha Nationalpark, dieses Mal in nordöstliche Richtung zu unserem heutigen Camp, dem am Mwagusi River gelegenen Kigelia Camp. So manches Mal müssen wir versandete Flussbetten durchqueren, bevor wir das zwischen Akazien und Miombobäumen versteckte temporäre Tented Camp erreichen.

Die abgeschiedene Lage direkt am Mwagusi River, die private Atmosphäre mit gerade mal sieben Zelten, vor allem aber die persönliche Campleitung machen dieses luxuriöse Fly- In Camp zu einem besonderen Safarierlebnis.

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